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Singapur ist die Trendmetropole Asiens – hipper als Hongkong, straighter als Bangkok. Einfach eintauchen, loslaufen und fasziniert sein!

Text: Doris Springenfels Fotos: Singapore Tourismus, Walter Röhrer, Doris Springenfels

Wir sitzen im tropischen Innenhofgarten des traditionsreichen Raffles, einem weißen Prachtbau im Kolonialstil, der 1987 zum Nationaldenkmal erklärt worden ist. Hier wurde nicht nur der letzte wilde Tiger Singapurs erlegt, hier wurde auch der Singapore Sling erfunden, ein ziemlich süßer Longdrink, basierend auf Gin, Kirschlikör, und Bénédictine – probieren gehört natürlich zum Pflichtprogramm. Wir treffen hier meinen Cousin Semir und seine Frau Liz, die es vor etwas mehr als einem Jahr nach Singapur verschlagen hat. Wie lebt es sich in einer Stadt, die auf 712,4 km2 5,39 Millionen Einwohner hat? Das sind ganz schön viele Menschen für einen relativ kleinen Stadtstaat. Sehr gut, sind sich beide einig. Es ist sicher hier, die Regierung tut etwas für ihre Bürger. Es ist extrem sauber, davon könnte sich so manche mitteleuropäische Stadt eine Scheibe abschneiden, und es liegt eine Elektrizität in der Luft, die übrigens trotz hoher Luftfeuchtigkeit nicht von Abgasen verpestet ist. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Zahl der Autos in Grenzen hält. Auf den meist vierspurigen Highways bewegt man sich halbwegwegs flüssig dahin, hier gibt es keine lärmenden, Gestank verbreitenden Mopeds, die zu Hunderten in die Kreuzungen düsen, wie in anderen asiatischen Städten. Überwiegend Luxus-karossen sieht man, und das, obwohl mehr als 200 Prozent Steuer auf Fahrzeugen liegt und allein die „Permission“ 65.000 Dollar kostet. Da braucht es keine Citymaut, das reglementiert sich von alleine.

Wer sich das nicht leisten kann, der fährt U-Bahn oder Bus – das öffentliche Netz ist hier super ausgebaut, alles ist schnell und easy erreichbar. Auf den Bahnsteigen und in den Wagons der MRT ist es klinisch sauber und klimatisiert – im Fünf-Minuten -Takt gehts Richtung Marina Bay oder Orchard Road, dort wo eine Riesen Shopping Mall neben der anderen liegt. Die Shops sind weitgehend immer die gleichen – Esprit, Guess, Zara, Massimo Dutti auf den mittleren Ebenen, auf den oberen dann Chanel, Dior, Dolce & Gabbana, Bottega Veneta ... Singapur ist ein wahres Einkaufsparadies. Shopping Junkies kommen hier voll auf ihre Kosten – überall locken Schuhe, Taschen, Kosmetika, Papierwaren, Fashion-stores. Alle großen Hotels sind mit Malls verbunden – man bewegt sich nur im Inneren vorwärts, ohne etwas vom Leben draußen mitzubekommen. Schade, denn Singapur ist viel mehr als ein riesiges Einkaufszentrum. Es ist ein Schmelztiegel der Kulturen und verfügt über vielfältigste Attraktionen. 

 

Hoch über der Stadt

Um uns einen ersten Überblick zu verschaffen, drehen wir eine Runde mit dem Singapore Flyer, eine moderne Version unseres Riesenrades. Von ganz oben bietet sich ein grandioser Ausblick über die Skyline der Stadt, die Bucht, den Hafen und das neue „inoffizielle“ Wahrzeichen Singapurs, das Marina Bay Hotel. Auf drei Hoteltürmen trohnt in Form eines Schiffs der Sky Park mit der Aussichtsplattform und dem oftmals fotografier-ten Infinity-Pool. Bei einem Cocktail an der Bar oder einem Abendessen hat man auch als Nicht-Hotelgast Gelegenheit, dieses architektonisch einzigartige Haus kennenzulernen und in der Dämmerung einen Traumblick auf die angehenden Lichter der Stadt zu genießen. Wir entscheiden uns für die Alternative und treffen uns zum Sunset vis-à-vis auf der Terrasse des Fullerton Bay Hotels mit Winnie Ubbink, unserem Guide für den nächsten Tag. Winnie ist mit einem Holländer verheiratet und könnte sich keinen anderen Ort auf der Welt vorstellen, wo sie lieber leben möchte. Sie liebt das Multi-Kulti-Feeling hier, die Geschäftigkeit, die Kontraste. Davon will sie uns morgen so einiges zeigen. 

 

Geschäftiger Clerk Quai

Doch zuvor schlendern wir noch zu zweit den Clerk Quai entlang, wo sich entlang des Singapur Rivers eine Restaurant- und Vergnügungsmeile gebildet hat. Unzählige Lokale haben in den ehemaligen „Warehouses“ Platz gefunden. Mit den Bamboo Boots tuckert man gemütlich an ihnen vorbei, ebenso wie am wasserspeienden Löwen, am neuen Parlament und auch am Indochine, wo wir uns später noch mit Semir und Liz treffen. Ein romantischer Ort, ruhig gelegen zwischen Trauerweiden und mannhohen Buddhaköpfen. Die Küche ist fantastisch – Asien Fusion Food vom Feinsten, zu Preisen wie bei uns daheim. Fast daneben liegt das Timbre, ebenfalls ein guter Tipp. Hier haben junge Künstler die Möglichkeit, erste Auftrittserfahrungen zu sammeln, die, die wir hören, sind richtig gut und sorgen für einen stimmungsvollen Ausklang des Abends.

 

Ein Hoch auf die Ökologie

Eine der neueren Sehenswürdigkeiten Singapurs sind die „Gardens By The Bay“. Kaum zu glauben, dass dieses gesamte Areal auf „wiedergewonnenem“ Land erschaffen wurde. Tonnen von Sand wurden importiert und ins Meer gekippt, um darauf einen Park anzulegen, der eine neue grüne Lunge für eine ansonsten sehr zugebaute Stadt darstellt. Durchdacht und ökologisch bis ins kleinste Detail. Die gigantischen „Super Trees“, grünbewachsene Stahlgerüste mit Höhen zwischen 25 und 50 Metern, dienen unter anderem der Aufzucht von seltenen Pflanzen. Außerdem produzieren sie mittels Photovoltaik Elektrizität für Beleuchtung und Kühlsysteme des Parks und sammeln die Niederschläge zur Bewässerung der Pflanzen. Zwei der Türme sind in luftiger Höhe mit einem Skyway verbunden, ein Spaziergang darauf ist ein Must. Von hier oben sieht alles noch viel großartiger aus, auch die „Domes“ die echsenfömigen Gewächshäuser, die unter uns liegen. Ein „Dome“ ist für die mediterrane Pflanzenwelt geschaffen worden, der andere für ein feuchtkühles Bergklima. Nebelsprüher verbreiten zarte Sprühschleier, die dem „Berg“ in der Mitte ein mystisches Ambiente verleihen. Fleischfressende Pflanzen, Orchideen, Farne ... wir wandeln durch eine tiefgrüne Oase. Auch außerhalb der „Domes“ ist der Park sehens-wert – Themengärten laden zum Ruhetanken ein, in einer Stadt, die von Hektik geprägt ist, ein wahres Geschenk. Stundenlang könnte man hier schlendern und die Zeit vergessen. Dazu kommt es für uns erstmal nicht, denn es beginnt in Sturzbächen zu regnen. Wir schnappen uns ein Taxi und düsen nach Chinatown. 

 

Der Duft von Dim Sum und Curry

Als wir ankommen, ist alles wieder vorbei, der nasse Asphalt dampft und in den Pfützen spiegeln sich die Auslagen der Geschäfte. Vor dem Dim-Sum-Restaurant, von dem Winnie uns bereits im Taxi vorgeschwärmt hat, hat sich eine Schlange gebildet, es dürfte echt ein guter Tipp sein. Drinnen kommen immer wieder Kellner mit in Bastkörben verpackten Köstlichkeiten vorbei – Muscheln, Shrimps, Huhn, Ente, leckeres Gemüse – alles in handliche kleine Teigtaschen gepackt. Um uns wurlt es nur so, es ist noch dazu Sonntag, ein Stimmengewirr in Englisch, Mandarin, Tamil – der Geräuschpegel ist ziemlich hoch für europäische Ohren, aber ganz normal hier. Chinatown ist ein Ort voller Kontraste, kleine Läden offerieren ein buntes Sammelsurium von Kitsch bis hin zu Goldschmuck und winkenden Katzen. 

Auch in Little India, wo es uns den weiteren Nachmittag
hinzieht, taucht man ein in eine andere Welt. Rund um die Serangoon Road hat sich ein Mini-Indien etabliert, mit bunt bemalten Tempeln, vor denen unzählige Schuhpaare stehen. Am besten man spaziert durch die kleinen Gässchen und lässt sich einfach treiben. Hier stoßen wir auf kleine Stände, die indische Händler einfach irgendwo in einer Toreinfahrt haben, auf Shops, vor deren offenen Auslagen sich Gewürze stapeln, auf Schmuckgeschäfte, andere mit Seide oder Blumengirlanden. Über alldem hängt der Duft von Räucherstäbchen oder frischen Gewürzen, die irgendwo in einem Restaurant gerade verarbeitet werden.

 

Back to Chinatown 

Wir bummeln durch ein anderes Chinatown als heute Mittag. Eines, wo nicht grelle Farben dominieren, sondern eines, wo man zwischen liebevoll restaurierten Häuserzeilen spaziert, mit  zweistöckigen Gebäuden, die ebensogut in der Karibik stehen könnten. Rosa, violett, mint, rot-weiß – französische Lamellenfenster und -türen, alles tip-top gepflegt. Unter Arkaden gibt es kleine, feine Restaurants wie den Reading Room oder die Lobbies von neuen In-Hotels wie dem New Majestic oder dem Chinatown Hotel. Gegen acht Uhr kommt allmählich Leben in die Gässchen, die Lokale füllen sich, und um neun ist kein freier Platz mehr im „Esquina“ zu ergattern, einer angesagten Tapas Bar, wo drinnen und draußen Highlife herrscht. Wir entscheiden uns für das „Lime“, ein karibisches Restaurant mit kleiner, blumenumrankter Terrasse und lassen unsere Singapur-Tage mit Jerk-Chicken und Chilli-Seabass mit Calalu ausklingen – multi-kulti wie die Stadt selbst. Eine Stadt mit vielen Gesichtern, mit einer hohen Lebensqualität, eine pulsierende Metropole, die es geschafft hat, viele Welten zu vereinen und dennoch einzigartig zu sein.