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Ob es sich bei Lefkas tatsächlich um das legendäre Ithaka aus der griechischen Mythologie handelt, ist nicht bewiesen. Sicher ist, dass seine Strände zu den allerbesten Europas gehören und das Meer von einem strahlenden Türkis ist, ein Türkis, das man in Europa nur selten findet.  

Text & Fotos: Doris Springenfels 

Nach über zehn Jahren wieder in Griechenland. Gut fühlt sich das an, vertraut, man merkt sofort, was man vermisst hat. Das klingende „Kalimera“ am Morgen, wenn noch ein leichter Dunst über dem Meer liegt, die Gelassenheit der Griechen – ist es bei Pefkoulia zu voll, dann fahr’ halt weiter nach Kalamitsi – ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Das Hupen und die drängelnden Autos in der Stadt, das Zirpen der Zikaden am Land, Katzen, die um die Füße streichen, sobald man nur eine Taverne betritt, und eben das schimmernde, tiefblaue Meer. 

Eigentlich ist Lefkas gar keine Insel, eine Brücke verbindet sie mit dem Festland. Wenn man in Prevezza landet, fährt man erst die Küste des Epiros entlang, bis man eine kleine Meerenge passiert und über eine Brücke direkt die Inselhauptstadt Lefkas erreicht. Seit Kurzem kommen auch immer mehr Urlauber mit dem eigenen Auto, denn die Autobahn Richtung Balkan ermöglicht es den Rumänen oder Bulgaren relativ schnell und bequem nach Griechenland zu düsen. 

Unser Domizil, die Villa Elenia, liegt im Nordosten der Insel, nur ca. zehn Minuten von der Hauptstadt entfernt, fünf Minuten zum nächsten guten Strand, zehn nach Agios Nikitas, 15 zum kosmopolitischen Strand von Kathisma, 25 nach Kalamitoder Nidri – kurzum absolut zentral. Wir haben eine gute Wahl getroffen, Dimitri, der sich lieber Jimmy nennt, und seine Frau Katherina sind die perfekten Gastgeber. Sie haben lange Zeit in Philadelphia gelebt, bevor sie sich vor neun Jahren in ihrer Heimat einen Lebenstraum erfüllt haben und die Villa errichteten, für sich selbst und als B&B für Gäste aus aller Welt. Man merkt, dass sie in ihrem früheren Leben Architekten waren, alles ist geschmackvoll, viele Kleinigkeiten ergeben ein perfektes Ganzes. Jimmy hat die besten Tipps auf Lager, wenn es um Strände oder Lokale geht, und ein gemeinsamer Ouzo am Abend gehört ebenso zu den Tagen hier wie das lukullische Frühstück, das Katherina am Pool serviert. 

Gleißendes Meer und Traumstrände im Osten

Lefkas ist hügelig und will erobert werden. Von Norden nach Süden, von Ost nach West. Die Strände von Lefkas gehören zu den allerbesten Europas, was die Wasserqualität betrifft – immer wieder entdecken wir Buchten, wo man die Kieselsteine am Grund zählen könnte. Eben dieser feine, weiße Kiesel ist auch die Ursache, warum man hier fast geblendet ist vom strahlenden Türkis des Meeres, ein Türkis, das man in Europa eventuell noch auf Sardinien findet und sonst nur in der Karibik oder dem Indischen Ozean. Einziger Nachteil – einige der allerschönsten Strände muss man sich hart erarbeiten. Hundert Stufen geht es hinunter (und wieder hinauf) nach Katsiki, der meistfotografierten Bucht der Insel, dreihundertfünzig gar nach Engremni. Nach Megali
Petra führt ein Eselweg – eng, und nach jeder Kurve stellt sich die Herausforderung, kommt ein Auto entgegen oder nicht. Entschädigt wird man jedoch durch traumhafte Ausblicke und diesen unglaublichen Geruch nach Pinien und Kiefern – würzig durchsetzt mit einer Prise salziger Meeresluft. Jimmy hat uns die Strände von Megali Petra und Avali empfohlen, und so lassen wir Pefkoulia, Agios Nikitas und Kathisma hinter uns und fahren Richtung Süden, immer die Küste entlang. Rechts von uns glitzert das Meer, links von uns schmiegen sich schlanke Zypressen an die Hügel. Das ist eines der ersten Dinge, die uns beim Erkunden der Insel aufgefallen sind: die unzähligen Zypressen, die der Landschaft italienisches Flair geben. Die Straße steigt an, bis wir das kleine Bergdorf Kalamitsi erreichen. Von dort geht es durch dichte Kiefernwälder, die regelmäßig den Blick aufs Meer freigeben, wieder bergab bis zu einer Gabelung – links Megali Petra, rechts Avali. Megali Petra ist vor allem von oben beeindruckend, türkises Wasser, eine sanfte Brandung, die an die imposanten Felsen schlägt, und ein kleiner, leider ziemlich gut besuchter Sandstrand. Avali ist da ganz anders. Oberhalb des langen, breiten Sandstrandes eine Taverne, die an Hippie-Zeiten erinnert, wo im Hintergrund entspannte Musik läuft und Hängematten zum Verweilen einladen. Das Beste ist jedoch der Ausblick: nichts als türkisgrünes Meer vor uns. Ein Ort, um abzuhängen, faul zu sein und den Tag zu vertrödeln, bis es Zeit für einen Sundowner wird. „The Place to be“ für den perfekten Sunset liegt auf unserer Heimfahrt. Im ansonsten ruhigen Bergdorf Exanthia befindet sich das Rachis, ein Restaurant, das keine Platzreservierungen entgegennimmt. Von überall auf der Insel strömen die Menschen hier zusammen, Einheimische ebenso wie Touristen, um das tagtägliche Schauspiel der versinkenden Sonne zu beobachen. Bei einem Cocktail, einem Glas Bier, einem Ouzo und einem guten Essen. Wir warten ein bisschen an der Bar, bevor wir gemeinsam mit einem griechischen und einem irischen Pärchen einen genialen Tisch zugewiesen bekommen. Im Nu entspinnt sich eine angeregte Unterhaltung, während zahlreiche Selfies gemacht werden und man meinen könnte, keiner der hier Anwesenden habe jemals einen Sonnenuntergang gesehen. Als wie bestellt die glutrote Sonne im Meer versinkt, wird applaudiert. Die Fahrt zurück nach Tsoukalades per Motorrad durch die Dunkelheit der Bergstraßen ist dann noch eine ganz spezielle Erfahrung. Daheim wartet bereits Jimmy auf uns, will wissen, wie uns Avali gefallen hat und hat natürlich gute Tipps für die nächsten Tage parat. 

Stille Bergdörfer und malerische Orte

Lefkas ist viel mehr als Sonne, Strand und Meer – in malerischen Bergdörfern scheinen die Uhren noch immer ein bisschen langsamer als anderswo zu gehen. Der Weg dorthin, Kurve um Kurve, durch duftende Kiefernwälder und karstige Hochebenen, ist allein schon ein Erlebnis. Wir zuckeln durch die fruchtbare Skafiotes-Region – als Abwechslung zu den Pinien und Zypressen gedeiht hier u.a. Vertzami, eine der besten griechischen Rebsorten – bis nach der letzten Kurve das Ortsschild von Karia auftaucht. Ein beschauliches Städtchen mit einem kleinen Museum, vielen Stickereigeschäften und einem beeindruckend großen Dorfplatz, wo unter Schatten spendenden Platanen Einheimische wie auch Touristen der Kunst des süßen Nichtstuns frönen. Nach einer kurzen Weinverkostung in der örtlichen Enothek und einem starken griechischen Kaffee zwecks Belebung der Sinne geht’s weiter nach Eglouvi, einem Dorf, das für seine Linsen berühmt ist. Hier gibt’s kein Geschäft – der Obst- und Gemüsehändler verkauft die berühmten Mini-Linsen gleich aus dem Kofferraum seines Autos. Bei der Weiterfahrt genießen wir die Stille, die hier im Landesinneren so wohltuend herrscht. Ab und zu kommt uns ein Auto entgegen, ansonsten nur Natur – sattgelber Ginster am Wegesrand, ein paar Bienenstöcke, Schmetterlinge und Olivenbäume. Die Straßen sind eng und nicht gut ausgeschildert, aber dennoch, irgendwie gelangt man immer ans Ziel, wenn auch vielleicht mit einigen Umwegen. 

Unser heutiges Ziel heißt Nidri, und sich dieser quirligen Stadt von den Bergen aus zu nähern wird schwer belohnt. Der Ausblick auf die vorgelagerten Prinzen-Inseln ist etwas ganz Besonderes. Vor uns liegen Meganissi, Kalamos, Kastos und natürlich Skorpios. Einst die Insel des Onassis-Clans, heute im Privatbesitz einer russischen Milliardärserbin. Nidri nascht zwar noch immer am längst vergangenen Jet-Set-Bonus mit, ist jedoch sehr touris-tisch. Fährt man weiter auf die Halbinsel Geni, ist alles wieder im Lot. Eine Bucht, ruhig wie ein See, mit unzähligen Segelbooten, die hier vor Anker liegen. Am Ufer mehrere blumenumrankte Tavernen. „Dimitris“ liegt besonders schön, mit ein paar Tischen am Steg, die anderen unter der von Bougainvilleas umrankten Pergola. Hier genießen wir das beste Pastitio, das wir jemals gegessen haben, köstliches hausgemachtes Tarama und die Atherines, kleine Minifischerl, die vor einer Viertelstunde sicher noch im Meer geschwommen sind, so frisch, wie sie schmecken. Auch wieder etwas, das wir schwer vermisst haben: das einfache griechische Essen, das so viel mehr bietet als Souvlaki und Mousaka. Von Jimmy haben wir den Tipp bekommen, diese
Seite der Insel unbedingt auch vom Wasser aus zu erkunden, und so fragen wir den Tavernenwirt, wo man am besten ein Motorboot mieten könnte. Wir haben Glück, er vermietet uns geschäftstüchtig gleich sein eigenes. Wir tuckern raus aus der Lagune, an Skorpios vorbei, Richtung Meganissi. Der Tipp ist Goldes wert, es ist traumhaft schön durchs türkisfarbene Wasser zu gleiten und die Küs-te aus einer anderen Perspektive zu sehen. Immer wieder bleiben wir stehen, schwimmen im glasklaren Meer, schorcheln und tauchen. Viel zu schnell geht die Zeit vorbei. Doch wir wollen noch weiter nach Süden.  

Sehenswertes und Mystisches

Dort, in der Bucht von Syvota, soll Odysseus nach seiner zehnjährigen Irrfahrt wieder ans Ufer seines Reiches Ithaka gespült worden sein. Ganz in der Nähe soll auch die Schweinehöhle sein, in der er sich versteckte. Ob es sich bei Lefkas allerdings tatsächlich um das legendäre Ithaka aus der griechischen Mythologie handelt, da sind sich die Archäologen trotz vieler Grabungen nicht hundertprozentig sicher. Egal, ob Odysseus hier war, Sivota ist allemal sehenswert. Ein griechisches Fischerdorf wie aus dem Bilderbuch. Nirgendwo auf der Insel sind die Tavernen so üppig mit Blumen geschmückt. Die älteste, Spiridoula, hat die allerprächtigsten Bougainvilleas. Die Speisekarten der Restaurants konkurieren mit Empfehlungen für Barben, Doraden oder Hummer, Segelyachten bilden die malerische Kulisse zum Abendessen –  ein perfekter Ort, um einen erfüllten Tag stilvoll zu beenden.

Bummeln in den Gassen von Lefkas 

Wenn man auf Lefkas unterwegs ist, dann darf die Inselhauptstadt natürlich nicht fehlen. Eines der Dinge, die Lefkas Stadt so besonders machen, sind die vorgelagerten Lagunen. Am schönsten ist es, wenn man die Tour entweder früh am Morgen oder knapp vor Sonnenuntergang macht. Von Tsoukalades aus kommend fährt man am Panagias Faneromeni Kloster vorbei Richtung Stadt. Der Ausblick auf den Olivenhain, die Lagunen, die Stadt, das Ionische Meer und die Berge des Epiros ist von hier fantastisch. Bei klarer Sicht kann man bis zur Südspitze Korfus hinübersehen. Die Lagunen  zählen zu den bedeutensten Feuchtbiotopen Griechenlands, bieten Möwen, Reihern und verschiedenen Zugvögeln Lebensraum. Abgesehen von diesem Naturschauspiel bietet die Region noch eine weitere Attraktion: Kite-Surfer finden an den Stränden von Ai Giannis und Yira ideale Bedingungen vor. Perfektes Timing ist, wenn man die Surfer noch bei ihren letzten waghalsigen Sprüngen bewundert. Der Strand mit den charakteristischen Windmühlen ist dann in mildes orangefarbenes Licht getaucht, und die Silhouetten der Surfer und ihrer Kites erscheinen wie ein Scherenschnitt vor der intensiven Sonne. 

Fährt man dann weiter in die Stadt, kommt man zur Hafenpromenade, an deren einer Seite unzählige Yachten vor Anker liegen, während auf der anderen Seite kleine Fischerboote im Wasser dümpeln. Ebendort zählt die kleine Holzbrücke über den Kanal zu den absolut malerischen Sunset-Motiven. Lefkas Stadt ist auch sonst sehenswert. Nach einem großen Erdbeben 1953 wurde sie nach alten Plänen mit viel Einfühlungsvermögen wieder aufgebaut. Die eng stehenden, farbenprächtigen Häuser rund um den Agios Spyridon Platz, die Fußgängerzone, die zahlreichen, für Griechenland typischen Cafés, Tavernen und Bars – all das macht Lefkas zu einer Stadt mit viel Flair, in der man gern sowohl tagsüber als auch abends durch die Gassen bummelt. Überall in den Lokalen wird getafelt, so deftig wie zu Odysseus’ Zeiten – und das nicht nur von den Touristen. Dutzende kalte und warme Vorspeisen mit frischem Weißbrot, köstlicher Lammbraten, Gemüse, Fisch vom Feinsten, dazu fließt jede Menge Ouzo, geharzter Retsina und Vertzami. Tja, die Griechen lassen sie auch von der Wirtschaftskrise ihr Leben nicht verderben. 

Als wir nach Tsoukalades heimkehren, müssen wir Jimmy und Katherina unbedingt noch „Irgendwann bleib I dann dort“ vorspielen, das Griechenlandsehnsuchtslied schlechthin. Uns geht’s hier wie STS: „Nach zwei, drei Wochen hab i’s g’spürt, I hab das Lebensg’fühl dort inhaliert“ – ja, genau so fühlt sich das an für uns, wir haben den Rhythmus der Insel in uns aufgenommen, die Gelassenheit, aber auch die Lebensfreude.