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Anlässlich der Präsentation der vor Kurzem erschienenen CD „Nightfall“ besuchte der Startrompeter Till Brönner Wien. Wir trafen ihn am Nachmittag vor seinem Besuch des Philharmonikerballes. 

chris noltekuhlmann

 

 

 

„Nightfall"

„Nightfall“ von Till Brönner, Trompete und Dieter Ilg, Bass. Sony Music 2018. Sie spielen Variationen zu Leonhard Cohen, Johann Sebastian Bach, John Lennon und Paul McCartney und Eigenkompositionen.

 


Text: Silvia Matras  

Foto: Chris Noltekuhlmann 

 

Trotz des Interviewmarathons, den Till Brönner an dem Tag schon absolviert hatte, ist er noch immer zu Scherzen aufgelegt. „Walzer habe ich zuletzt in der Tanzschule getanzt. Natürlich werde ich mein Glück versuchen.“ Dass er vom Rechts- und Linkswalzer so gut wie keine Ahnung hat, gibt er gerne zu. „Im Zweifelsfall bin ich ein Rechtsdreher“ meint er und lacht sein unwiderstehliches Lachen. In dem Lachen liegt die Selbstsicherheit eines Künstlers, der im Leben alles ohne große Schwierigkeiten erreicht hat. Nach seinem Studium der Jazztrompete an der Hochschule für Musik in Köln erhielt er bereits mit dem ersten Album „Generations of Jazz“ 1993 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Seine Karriere ging rasant und steil nach oben. Er spielte mit Dave Brubeck, James Moody und vielen anderen Jazzgrößen, komponierte für Hildegard Knef das Album „17 Millimeter“ und tourt mit seiner eigenen Band durch die Welt. Seit 2009 unterrichtet er gemeinsam mit Malte Burba das Fach Jazztrompete an der Hochschule für Musik in Dresden.

Jazz – die Lust am Risiko

Inzwischen ist er nicht nur in Berlin und Dresden zu Hause, sondern auch in Los Angeles. Zu den zahlreichen Konzerten kommen die Produktionstermine im Studio in Los Angeles dazu.  Auf die Frage, „Brauchen Sie die Weite der Welt, um in die Tiefe zu gehen?“, bittet Till Brönner um eine kurze Denkpause. Das Lächeln verschwindet und macht nachdenklichem Ernst Platz. Die Antwort kommt bedächtig und wohl überlegt: „Ich glaube ja. Ich muss aus einem Raum raus, um entspannt wiederzukommen. Wichtig sind der Mut und die Sicherheit, wieder zurückzufinden. Das ist wie beim gemeinsamen Improvisierenden Spiel: Ich verliere den eingeschlagenen Weg, auf dem ich mit meinen Musikern gerade bin, kalkuliere das Risiko, weiche ab, verliere mich und komme wieder auf den gemeinsamen Weg zurück. Der gemeinsame Weg – das ist die Tiefe.“

Eine neue Karriere

Einer, der so oft im Leben fotografiert wurde, wollte eines Tages die Rollen umkehren. „Ich hatte immer großen Respekt vor den Fotografen und ihrer Kunst.“ Eines Tages tauschte er ein Hobby – das Kochen – gegen ein anderes, die Fotografie, erzählt er, nun wieder entspannt lächelnd. „Weil ich allen Dingen auf den Grund gehe, startete ich mit einer Leica M8. Mit dieser Kamera vor dem Gesicht erntete ich immer bei meinem Gegenüber Anerkennung und ein freundliches Lächeln.“ Bald aber genügte ihm die fixe Brennweite nicht mehr. Jetzt probiert er sein „Jagdglück“ mit einer Pentax 6x7 digital, steigt aber immer wieder auf die analoge Kamera um. „Ich suche interessante Gesichter, in denen das gelebte Leben Spuren hinterlassen hat. Es erfordert richtigen Mut, fremde Menschen anzureden. Und es wird auch immer schwieriger, die Aversion gegen das Fotografiert-Werden abzubauen. Aber davon lasse ich mich nicht abhalten. Was ich einmal begonnen habe, das setze ich mit Intensität fort.“ Schon ist der erste wichtige Auftrag da: Ein Jahr lang wird Till Brönner durch das Ruhrgebiet streifen und fotografieren, was ihm vor die Schwarz-Weiß-Linse kommt. Die Ausbeute wird in einer Ausstellung in Bochum zu sehen sein.   

Lassen wir das Gespräch in ein gemütliches Geplauder über Wien ausklingen. Till Brönner kommt gerne nach Wien, schon allein wegen der grantigen Ober in den Kaffeehäusern. Die gibt es, diese fein abgestimmten Grantler, immer ein wenig am Rande der Unhöflichkeit. Und er kennt auch die Cafés, in denen sie anzutreffen sind. Ansonsten mag er die leicht südländisch angehauchte Leichtigkeit der Stadt, die im krassen Gegensatz zu dem „Gebäudeprunk“, wie er sagt, steht. Auch im Wiener Musikverein verspürt er diese Kontraste: viel Gold, durchflutet von der Leichtigkeit der Architektur und Musik. 

Deshalb hat er sich auch für den Philharmonikerball entschieden. „Die Bälle in Wien sind einfach wertvoll. Die Wiener lieben sie, die Fremden beneiden sie um diese Tradition.“ Sein Outfit am Ball? „Natürlich das Hemd von Knize.“ Frack und den Rest liefert ihm eine renommierte deutsche Herrenmodenfirma, für die er als Testimonial fungiert. Mit einem charmanten Lächeln wird er sich bei seiner Tanzpartnerin entschuldigen, wenn er ihr auf die Zehen tritt.