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Gutes Theater ist nichts als Leidenschaft...

...sagt Petra Morzé. Wer sie nur einmal spielen sah, weiß, was sie unter Leidenschaft versteht:

Sich ganz der Rolle hingeben, die Schranken der Vernunft niederreißen.

 

 „Ja, Neuorientierung, das ist das richtige Wort für meine momentane Situation.“, sagt Petra Morzè. 

 

 

 

In den kommenden Monaten steht Petra Morzé fast ununterbrochen auf der Bühne des Burg- und Akademietheaters, unter anderen in „Mephisto“ oder „Der Besuch der alten Dame“.

 


Text: Silvia Matras  

Foto: Marisa Vranjes 

 

„… und dann habe ich losgelegt und dachte zugleich: Oh Gott, das ist zu viel. Aber mir ging die Leidenschaft durch.  Und es war richtig so.“ So ihr Kommentar zur Rolle der Königin der Nacht in der Zauberflöte ohne Musik Mozarts, nur auf den Text Emanuel Schikaneders konzentriert. In dieser Hörspielfassung von Ö1 unter der Regie von Leonhard Koppelmann erlebt man Morzé in voller Raserei. Wenn sie ihrer Tochter den Mord an Sarastro befiehlt, lernt man schier das Fürchten vor dieser wütenden Mutter. Da spricht eine Schauspielerin nicht irgendeine Rolle, für die sie engagiert und bezahlt wurde, sondern eine leidenschaftliche Frau, die um ihre Tochter kämpft.

Kämpferisch und leidenschaftlich, das sind die passenden Charaktereigenschaften Petra Morzés, als Mensch und als Schauspielerin. Im Interview, das im Café Wartholz in Reichenau stattfand, spricht sie ganz offen über ihre aktuelle Lage, die nicht gerade rosig ist.

Neuorientierung

„Ja, Neuorientierung, das ist das richtige Wort für meine momentane Situation.“ Am 13. Juni teilte Martin Kušej, der neue Burgtheaterdirektor ab der Saison 2019/20, ihr und noch vielen anderen Mitgliedern des Theaters mit, dass er auf ihre Mitarbeit verzichtet. Also Nichtverlängerung des Vertrages nach 17 Jahren Fixanstellung im Burgtheater. „Das war ein Schock für mich. Ich fühlte mich wie in einen leeren Raum gestellt.“ Wenige Tage später erfuhr sie, dass ihr Exmann Stefan Matousch und Vater ihrer beiden Kinder an Krebs verstorben war. Diese Nachricht traf sie hart, da sie trotz Trennung ein gutes Verhältnis zu ihm hatte. Nun, wenige Wochen später, spielt sie in Reichenau die Blanche in „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams. „Hier in Reichenau, in meiner geliebten Bergwelt, habe ich mich wieder derrappelt, mich wieder gefunden.“ Während der Spielzeit bewohnte sie in Küb ein Knusperhäuschen mit einem kleinen Rosengarten. „Genau das Richtige für mich. Da kann ich nachdenken, mich von Ängsten befreien. Jetzt bin ich neugierig, was die Zukunft für mich als,freie Schauspielerin‘ bringen wird.“ 

Die Rolle als Blanche ist genau die Herausforderung, die sie will und braucht. Sie spielt keine verletzliche Blume, die beim ersten Windhauch weggeblasen wird, sondern eine Frau, die viel durchgemacht hat und jetzt nicht mehr weiterweiß, aber nicht aufgeben will. Sie kämpft mit allen Mitteln um eine neue Existenz. Dabei scheut sich Petra Morzé nicht, in den vollen Gefühlstopf zu greifen. Sie darf das, denn sie wird nie peinlich. Sie erniedrigt sich, sie spielt die junge Frau, die weiß, dass sie alt ist, sie erträumt sich eine Wirklichkeit, um die Realität zu ertragen. Sie kämpft verbissen und mit vollem Körpereinsatz gegen ihren brutalen Schwager und lässt sich schließlich als Unbesiegte in die Psychiatrie abführen. Wenn das Publikum begeistert applaudiert, dann schleudert sie temperamentvoll ihre allzu engen Stöckelschuhe weg und tanzt mit Freudensprüngen über die Bühne. 

Reichenau ist für sie ein Ort der Erinnerung und der Erholung. Hier spielte sie immer wieder Schnitzler. „Schnitzler ist der Autor, der mich durchs Leben begleitet. Er schrieb ja die besten Rollen für Frauen, weil er sie genau kannte. Dass er die Männer allesamt nicht gut wegkommen lässt, hat wohl mit einer tiefgehenden Selbstanalyse zu tun.“ Eine ihrer ersten Rollen in Reichenau war die Mizzi in „Liebelei“. Dann die junge Erna im „Weiten Land“. „Zu meinen schönsten Erinnerungen zählt die Genia, die ich 2004 im Südbahnhotel spielte.“ Herbert Föttinger als Hofreiter war ihr kongenialer Partner. Die Aufführung knisterte nur so vor unterdrückter Erotik. „Wenn ich über die Terrasse hinaus auf die Bergwelt blickte, dann fühlte ich mich wie in einem Zauberland.“

Dieser Zauber wirkt auch heute noch. Die steilen Felswände der Rax bedrücken sie nicht, sondern beschützen sie. Orte wie das Looshaus oder das Gartencafé Wartholz geben ihr vertraute Nähe. „Wie oft habe ich im Wartholz schon Mode oder andere liebenswerte Kleinigkeiten gekauft, bin unter den Platanen gesessen und habe in den weiten Park den Blick und die Gedanken schweifen lassen. Wenn ich durch den Kurpark von Reichenau spaziere, dann drücken mir oft Gäste ihre Bewunderung und Dankbarkeit aus. Diese Nähe von Theater und Publikum gibt es nur in Reichenau“, schwärmt Petra Morzé.

Spannende Rollen

Die nächste Zukunft ist mit interessanten Rollen am Burgtheater abgesichert: Als Mathilde Ill im „Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt, Frau Werner in „Kartonage“ von Jasemin Önder, als Inge in „Willkommen bei den Hartmanns“ nach dem gleichnamigen Film von Simon Verhoeven und als Lotte Lindenthal, die Frau des Fliegergenerals, in „Mephisto“ nach dem Roman von Klaus Mann steht sie in den kommenden Monaten fast ununterbrochen auf den Bühnen von Burg- und Akademietheater. Und im Herbst wird sie in dem Film „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“ nach der gleichnamigen Erzählung von André Heller zu sehen sein.