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DIE DIVA VON HEUTE

Sie verkörpert den Glamour vergangener Zeiten und die Dramatik
der Generation Y und bleibt dabei stets mysteriös: Lana Del Rey ist die einzig wahre
Diva des zeitgenössischen Pop.

 

 

„Sie beurteilen mich wie ein Bilderbuch, nach Farben. Als hätten sie vergessen, wie man liest.“
(aus dem Song „Brooklyn Baby“)

 

 


Text: Anna Muhr 

Foto: Gucci

 

Die Musikwelt wusste nicht, wie ihr geschah, als sie im Jahr 2011 auf der Bildfl äche erschien: Die junge Frau mit dem Schlafzimmerblick, dem Schmollmund und der samtenen Stimme. Wer sie war und woher sie auf einmal gekommen war, wusste niemand so genau. Aber ihr klingender Name war bald überall bekannt: Lana Del Rey. Das Video zu ihrem Durchbruchs-Hit „Video Games“ hatte sie damals auf der Plattform YouTube veröffentlicht, es wurde millionenfach angeklickt. In lasziv-trägem Duktus singt Lana vom gemeinsamen Abhängen mit dem Boyfriend; man trinkt Bier im Garten, spielt Videospiele und macht sich bereit für einen Abend in der Stadt. Eine Liebesballade, ja. Aber eine, wie man sie in ihrer Lässigkeit schon lange nicht gehört hatte. Die Bilder, die Lana Del Rey dazu lieferte, sollten ihr Image bis heute zementieren: Das Musikvideo zu „Video Games“ ist eine Montage von Alltagsaufnahmen. Palmen am Straßenrand, Kids auf dem Skateboard, Polizeiautos, dazu ein bisschen nostalgischer Old-Hollywood-Charme. Eindrücke aus einem Leben in Kalifornien. Über allem liegt der gelbstichige Schimmer vergangener Zeiten. Lange bevor wir unseren Fotos auf Instagram mit diversen Filtern den Vintage-Glam verpassten, hatte Lana Del Rey diesen zu ihrem Stilwerkzeug erkoren.

Vergleiche mit Stars der 60er-Jahre wie Nancy Sinatra waren schnell gezogen – und sie schienen Lana Del Rey nicht zu stören. Im Gegenteil, sie trugen nur bei zum mysteriösen Nimbus, der die Sängerin vor allem zu Beginn ihrer Karriere umgab: Ihr gelang es wie keiner anderen, sanfte Melancholie und explizite Songtexte über Sex und Drogen zu vereinen, sie schaffte den Spagat zwischen Retro-Hochglanz und dem Mindset der zerrissenen Generation Y mit Eleganz – und blieb dabei immer ungreifbar. Bei Auftritten wirkte sie manchmal wie entrückt, schien neben sich zu stehen, während sie ihren dramatischen Valium-Pop einem immer größer werdenden Publikum vortrug. Lana Del Rey war von Anfang an auch eine Kunstfigur. Ein Gegenentwurf zum Anfang der Nuller-Jahre so angesagten und schrillen Pop-Alien Lady Gaga.

Im echten Leben war Lana Del Rey einmal das Mädchen Elizabeth Woolridge Grant, geboren 1985 im Bundesstaat New York, der Vater Werbetexter, die Mutter Lehrerin. Sie besuchte eine katholische Schule und geriet – angeblich – schon im frühen Teenager-Alter auf die schiefe Bahn. Um sie vom Alkohol wegzubringen, schickten die Eltern sie auf ein Internat in Connecticut, weit weg vom Sündenpfuhl New York City. Genau dorthin ging Elizabeth aber mit 18 Jahren wieder, um als freiwillige Sozialarbeiterin den Obdachlosen und Drogensüchtigen der Stadt zu helfen, während sie Philosophie studierte und erste Schritte als Musikerin in kleinen Clubs machte. Für ihre Gigs gab sie sich anfangs Künstlernamen wie May Jailer oder Sparkle Jump Rope Queen. Wirklich ernst war es ihr da mit der Musik noch nicht: „Ich habe angefangen, in kleinen Clubs in Brooklyn zu spielen. Ich habe gute Freunde und treue Fans in der dortigen Underground-Szene, aber damals haben wir eigentlich nur in kleinem Rahmen für uns selbst gespielt“, erinnert sie sich in einem Interview. Das sollte sich freilich bald ändern. Mitte der Nuller-Jahre wurde zunächst eine Independent-Plattenfi rma auf die Sängerin aufmerksam und produzierte mit ihr das erste Album „Lana Del Rey“ (erschienen 2010). Zur Wahl des Namens sagte Lana später: „Damals war ich oft in Florida und habe mit kubanischen Freunden Spanisch gesprochen – und der Name Lana Del Rey erinnerte uns an den Glamour des Lebens am Meer. Er klingt einfach hinreißend, wenn er dir von der Zunge rollt.“ Schon kurze Zeit später rollte er überall: Nach dem YouTube-Erfolg von Songs wie „Video Games“ und „Blue Jeans“ war die Stoßrichtung klar.

Das Album „Born To Die“ wurde im Jänner 2012 veröffentlicht und ging international an die Spitze der Charts, und die Musikpreise prasselten nur so auf die damals 27-Jährige ein. Ein Grund zur Freude, eigentlich. Dennoch: Lana, mittlerweile längst vom grauen New York ins sonnige Kalifornien übersiedelt, wurde nicht müde, in Songtexten und Interviews melancholische Statements abzugeben. Über das Leben, die Einsamkeit, den Ruhm. Wirklich gut scheint es ihr nie zu gehen, aber niemand bringt die Traurigkeit, die Isoliertheit so elegant und cool rüber wie Lana Del Rey. Etwa, wenn sie im Nachthemd mit einem Gewehr in der Strandvilla herumballert, wie im Video zum Song „High By The Beach“.

Von außen gesehen gibt es natürlich nur wenig Grund, zu klagen: fünf Alben hat die Sängerin bisher veröffentlicht, für mehrere Filme steuerte sie Songs bei, ihre Tourneen führen sie um die ganze Welt. Seit Herbst 2018 ist Lana Del Rey gemeinsam mit dem Schauspieler/Musiker-Kollegen Jared Leto das neue Werbegesicht von Guccis „Guilty“ Düften. Die Launch-Party der Kampagne, die beide Stars im eleganten Seventies-Chic zeigt, fand übrigens auf einem Friedhof in L.A. statt. Morbide, wie die Diva es mag. Für 2019 hat Del Rey einen Gedichtband angekündigt. Außerdem erscheint dieser Tage ihre sechste Platte („Norman Fucking Rockwell“), die von Fans und Musikpresse sehnsüchtig erwartet wird. Auf einem Song darauf, der bereits im Vorfeld veröffentlicht wurde singt sie die Zeile: „Für eine Frau wie mich ist es gefährlich, zu hoffen.“ Die Melancholie ist und bleibt also ihre beste Freundin. Aber die Hoffnung auf ein bisschen Glück, die stirbt ja bekanntlich immer noch zuletzt.