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„Thats the Way we like it“

Schuhe sind wie Rudeltiere. Sie fühlen sich in Gesellschaft am wohlsten.
Welche Schuhticks haben Pia Piccini und Bella Blau? 

 

Pia:

Ich liebe Highheels. Mir können sie gar nicht hoch genug sein, was vielleicht auch mit meiner geringen Körpergröße zu tun hat. Ich bin nicht klein, nur etwas untergroß, deshalb hab ich meine Eltern schon mit zwölf gequält, mir die ersten Schuhe zu kaufen, die mir zumindest ein paar Zentimeter mehr brachten. Es war mitten in den Siebziger Jahren, der Zeit der Bay City Rollers, von Gary Glitter und ABBA – der Schuhhimmel hing voller Plateaus in den verrücktesten Formen und Farben. Meine ersten waren aus Jeansstoff mit ausgefransten Rändern. Voller Stolz trug ich sie zu kessen Shorts und knappen Oberteilen, mit ihnen wuchs ich über mich hinaus, wenn ich mit meiner Cousine die Promenade in Velden entlang stakste. Im Winter folgten Knautschlackstiefel in Cremeweiß, zu den wuscheligen Fellrändern meines Mantels passend. Sie hatten dicke Absätze und waren vorne abgerundet und trotz der Höhe bequem zu gehen – und was noch viel wichtiger war: David Bowie trug auf der Bühne ganz ähnliche. Mit 18 entdeckte ich in einem Sommer in England meine Liebe zu Madonna und zu spitzen Stiefeletten mit Bleistiftabsätzen. Am besten geschnürt zu gerafften Röcken oder kessen Minis oder zum Aufmotzen der Leggings, die damals zum ersten Mal in Mode kamen. Eine optimale Vorbereitung auf die Eighties, wo es wahlweise ein wenig Grunge sein durfte oder ein bisschen „Dallas“ und „Dynasty“ als Alternative. Elegant, mit breiten Schultern, schmalen Röcken und natürlich mit hockhackigen Pumps, mit denen ich inzwischen gehen gelernt hatte. Meine Schuhvorlieben folgten meinem Musik- und Filmgeschmack, was die Stars trugen, war auch für mich angesagt, und so sammelten sich im Laufe der Zeit Karton auf Karton mit aufgeklebten Fotos des jeweiligen Inhalts, um die Fülle an Schuhen, die meine Sammlung inzwischen erreicht hatte, besser horten und orten zu können. Niemals nie sah und sieht man mich mit Flats und schon gar nicht mit Sneakers, für mich der Gipfel des schlechten Geschmacks. Ich stöckelte mit zumindest vier Zentimeter durch den Wald und auf die Alm, sicher, dass mir nie was passieren könnte damit, bis ich mich eines Tages doch mal verkalkulierte und nach einem feuchtfröhlichen Abend bei Freunden mir mit Plateaus den Fuß verknöchelte. Der Orthopäde, den ich aufsuchte, schimpfte: „Stöckelschuhe sind für den Fuß so, wie wenn ich mit einem Bleistift ins Auge steche.“ Bandagierte meinen geschundenen Knöchel, und zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben war’s für sechs Wochen vorbei mit allem, was nur irgendwie eine gewisse Höhe an Absatz hatte. Welche Qual! Und welche Freude, nach einer gefühlten Ewigkeit wieder auf schwindelerregenden Höhen balancieren zu dürfen. Für den Entzug musste ich mich belohnen: Seit vor vielen Jahren Kurt Russel im Film „Overboard“ für Goldie Hawn ein Schuhregal zimmerte, das alle Stückeln spielte, wollte ich so einen Schuhschrank! In einigen Lagen schoben sich die Etagen übereinander, sodass mehrere Reihen exquisiter Pumps, Mules, Sandaletten etc. hineinpassten. Ich zeichnete dem Tischler meines Vertrauens auf, was ich mir vorstellte, und er zauberte einen Schuhkasten, um den mich jetzt alle meine Freundinnen beneiden. Vom Boden bis zur Decke stehen darin, nach Farben, Absatzform und Höhe sortiert, meine Lieblinge in Reih und Glied. Denn Schuhe sind wie Rudeltiere, sie fühlen sich in Gesellschaft am wohlsten, je mehr desto besser, je höher am allerbesten.

 

Bella

Alles, nur keine Highheels. Ein Albtraum. Ich möchte mit beiden Beinen voll und fest im Leben und auf dem Boden stehen. Als einige meiner Freundinnen in der Unterstufe begannen, die ersten Plateauschuhe zu tragen und sich dabei gut vorkamen, bettelte ich meinen Eltern meine ersten Adidas Rom ab. Die mit den drei roten Streifen. Das war doch viel cooler als die zickigen  Heels, in denen man nicht richtig laufen konnte. Es folgten weiße Töffler, vielleicht erinnern sich noch manche an die Ungetüme mit Holzsohlen, die wie holländische Pantinen schrecklich viel Lärm machten, aber den Look von Opahemden mit abgeschnittenen Kragen zu Röhrenjeans perfekt komplettierten. Dann kamen Clarks wieder in Mode, die Hush Puppies der Mods waren superbequem, butterweich und passten perfekt zu unseren langen indischen Kleidern oder Tuniken. Sie waren treue Begleiter auf zahlreichen Friedensmärschen, Lichtermeeren, in der Au bei Hainburg und auch am 3. Juli 1982 beim legendären Rolling-Stones-Konzert im Praterstadion, als wir damals schon dachten, es könnte ihre letzte Tour sein und uns wunderten, dass der „alte“ Mick noch so viel Energie hatte. Jetzt bin ich älter als er damals, und er hüpft immer noch wie ein Youngster über die Bühnen der Welt. Karottenhosen und College-Mokassins mit Lederbommel dran waren die nächsten Must--haves für viele von uns, lässig war dieser Look aber nie, zu brav, zu angepasst, deshalb besser auszulassen. In den Nineties kamen dann erstmals die Buffalos, sozusagen die Vorläufer der Ugly Sneakers – Turnschuhe in verrückten Farben und Designs mit dicken Plateausohlen, die man einfach haben musste. Wie auf Wolken lief es sich damit. In dieselbe Richtung schlugen die Skater-Schuhe, deren sportiver Touch jedem Outfit die gewisse Spannung verlieh. In der kalten Jahreszeit liebte ich meine Creepers – Mokassins mit dicker Sohle und – als sanftes Ausleben meiner femininen Seite – breiten Maschen, die über den Rist gebunden wurden – und meine Timberlands. Zuverlässig, nahezu unverwüstlich, superbequem, überall dazupassend, gehören sie auch heute noch zu meinen Lieblingsstücken. Auch Chucks, flache Stoffturnschuhe, sind seit Jahrzehnten nicht aus meinem Schuhschrank wegzudenken, in allen Farben finden sich Convers neben No-Names. Zu den Dauerbrennern gehören weiters Havaianas und Espadrilles, auf die ich im wahrsten Sinne des Worte stehe. Ich liebe es, mit Kontrasten zu spielen, einfach klassische Pumps zum eleganten Kleid, das wäre nichts für mich. Ich muss die Eleganz mit Gegensätzlichem brechen, mit meinem Schuhwerk bewusste Zeichen setzen. So bin ich mittlerweile auch ein Fan von Ugly Sneakers. Klobig, breit und extrem angesagt. Unelegant, plump, unförmig. Ugly Sneaker sind immer in Hingucker – entweder man mag sie oder man hasst sie. Sie polarisieren definitiv, das mag ich auch so an ihnen. Am liebsten trage ich sie zu meiner schwarzen Lederhose, weißer „braver“ Bluse und Lederjacke. Ich freue mich darauf, meine Bikerboots wieder hervorzukramen und sie mit romantischen Röcken zu kombinieren. Ich verzichte leichten Herzens auf alle Highheels dieser Welt und kann es kaum erwarten, meine Zehen in meine Uggs zu kuscheln, ganz nach dem Song von KC & The Sunshine Band: „Thats the Way I like it“.