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Simplify your Life

Ausmisten ist befreiend. Sich von Dingen zu trennen, ist jedoch nicht immer einfach.
Wie halten es Pia Piccini und Bella Blau? 

Pia:

Ausmisten befreit. Es gibt nichts Schöneres, als einen nasskalten Herbsttag dazu zu nützen, sich von unnötigem Ballast zu befreien. Beinahe freue ich mich, dass mich jetzt nichts mehr davon ablenkt, mich mit Herzenslust dem „Simplify your life“ hinzugeben. Wie jedes Jahr beginne ich mit meinem Kleiderschrank. Puristen sagen, alles, was man länger als zwei Saisonen nicht getragen hat, muss raus – ich bin sogar noch strenger, ich entsorge alles, was ich schon letzten Winter nur mit wenig Vergnügen getragen habe. Mein System ist einfach: Vier Stapel – einer für Dinge, die bleiben. Einer für die Secondhand-Party mit Freundinnen. Einer für die 24-Stunden-Pflege meiner Schwiegermama. Einer für die Caritas-container. Und schon ist wieder herrlich viel Platz für neue Outfits. Beim Schuhschrank ist es noch viel einfacher. Da gibts nur drei Stapel: Fehlkäufe, wie Plateauschuhe, mit denen ich nicht mehr gehen kann, oder Stiefel, die zwar wunderschön, aber leider doch eine halbe Nummer zu klein sind, bekommen jene zwei Freundinnen, die die gleiche Schuhgröße haben, Schuhe bzw. Stiefel und Stiefeletten, deren Absatz oder Spitze momentan nicht ganz en vogue sind, kommen in Schachteln in den Keller, der Rest wird entsorgt. Als nächstes nehme ich mir die Buchstapel vor, die bereits neben den Regalen liegen. Das System ist klar – mehr Bücher, als ich Buchregale habe, dürfen nicht bei mir bleiben. Krimis liest man ohnehin nicht zweimal, Kochbücher sind auch überbewertet, und überhaupt gehe ich immer mehr dazu über, meine Buchlektüre elektronisch zu genießen – da kann ich im Bett auch ohne meinen Herzallerliebsten zu stören lesen, und der Koffer im Urlaub wird auch nicht durch zusätzliches Gewicht beschwert. Auch meine Magazine und Zeitschriften miste ich ordentlich aus – drei Jahre alte Reiseberichte braucht ja wirklich niemand mehr, da stimmen weder die Unterkunft noch Lokaltipps und wer weiß, ob es heute immer noch so schön dort ist. Im Badezimmer ordne ich meine Laden und Schränke, kontrolliere das Ablaufdatum der Cremen, trenne mich von Lidschattenduos, wo wie immer nur die dunkle Seite übrig ist, küble Lippenstifte, die fast am Ende sind, schenke angefangene Parfums, die mich doch nicht glücklich machen, meinen Freundinnen und entsorge stumpfe Ladyshaver und Selftannig-Produkte vom Vorjahr. Allmählich arbeite ich mich im Laufe dieser kühlen Wochen bis zum Keller durch, den ich mir als besonderes Zuckerl als Höhepunkt der Ausmistaktion aufhebe. Jeder stellt im Laufe des Jahres alles, was er grade nicht braucht und heroben im Weg ist, dort unten ab. Mit dem Effekt, dass auch der größte Stauraum schnell überfüllt ist und man nichts mehr findet. Da gibt es noch Weihnachtsschmuck in Lila aus einer längst vergangenen Phase, den zu entsorgen Vergnügen bereitet, und jede Menge Koffer und Reisetaschen, die sich mit jeder Änderung der Flugbestimmungen angesammelt haben. Weg mit all jenen, die zu groß, zu schwer, zu schlecht zu verschließen sind. Auch die orangefarbenen Kerzenständer oder die blumenbemalten Obstschalen im Regal der Scheußlichkeiten, wo wir all die Dinge abgestellt haben, die wir geschenkt bekommen haben, die aber so gar nicht zu uns passen, finden ihren Weg in den Caritaskarton.  Egal welchen Bereich unseres Hauses ich vom Überschuss befreie, es befreit auch mich. Platz schaffen befriedigt mich, denn schließlich entsteht so Raum für Neues.

Bella

Alle Dinge haben eine Seele. Und alte Dinge erinneren an bestimmte Momente und Begebenheiten. Deshalb tue ich mir auch so schwer mit dem Ausmisten. Natürlich habe ich all die Ratgeber gelesen, die das regelmäßige Weggeben von Dingen über den Klee loben, aber das prallt an mir ab. Ich bin kein Messie, aber ich mag meine Sachen viel zu gerne, um mich von ihnen zu trennen. Deshalb lade ich mir immer meine Freundin Pia ein, die viel besser darin ist, im Handumdrehen einen vollen Schrank zu einem halb leeren zu machen. Dafür nehme ich sogar vorprogrammierte Diskussionen in Kauf: „Nein, nicht diese Bluse, die habe ich beim Zucchero-Konzert 1995 getragen, damals, als der Funky Gallo durchs Zelt der Libro Music Hall flog.“ „Ok, dann eben den blauen Faltenrock“, knurrt Pia. „Oh Gott, auf gar keinen Fall den blauen Rock.“ „Du trägst doch nie Faltenröcke und hast noch drei andere blaue, gib deinem Herz einen Stoß!“ „Na gut, aber dafür behalte ich die Samthose.“ So ungefähr geht es stundenlang, wo ich immer wieder Lieblingsteile vom Entsorgenstapel rausfische und immer plausible Erklärungen an der Hand habe, warum gerade dieses eine Teil nicht den Kasten verlassen kann. Pia ist vor allem bei den Schuhen gnadenlos: „Du trägst nie Ballerinas, wozu sind dann diese drei Paar im Schrank?“ „Falls ich doch mal Lust darauf bekomme!“ „Und die weinroten Stiefel? Die passen zu gar nichts!“ „Willst du sie haben? Ist doch eher deine Farbe.“ Herschenken fällt mir viel leichter als echt entsorgen. Besonders schwierig wird es bei den Büchern. „Bücher wirft man nicht weg, hat schon meine Oma gesagt.“ „Auch solche, die man nie vorhat zu lesen, weil sie totaler Schwachsinn sind?“, kontert Pia. „Na ja, vielleicht gefallen sie jemandem anderen, und ich kann sie noch auf den Flohmarkt von Uta geben, die sammelt da Spenden für ein Projekt in Afrika.“ „Nein, die nimmt auch keine Bücher, die niemand liest.“ Gnadenlos ist Pia auch bei meiner Sackerlsammlung. Als sie die mindestens zehn Säcke sieht, in denen diverse Sackerl ordentlich nach Größe und Beschaffenheit sortiert sind, schlägt sie die Hände über dem Kopf zusammen: „Das glaub ich jetzt nicht. Wenn du die auf zwei dezimierst, dann ist das immer noch genug!“ „Meine Chanel-, Dior- oder Pradasackerl geb’ ich aber nicht her“, protestiere ich, „Ikea und Billa darfst meinetwegen verwenden, um die anderen ausgemusterten Sachen wegzubringen.“ Allmählich arbeiten wir uns durch alle Bereiche meines Lebens durch, bis wir bei dem Kellerkasten angelangt sind, wo meine alten Fotoalben abgelegt sind. Zum Glück hat irgendwann vor zirka zwanzig Jahren die Digitalisierung Einzug gehalten ins Fotowesen, denn sonst würde dieser Kasten längst aus allen Nähten platzen. Heute mache ich nur mehr von den schönsten Reisen Apple-Fotobücher und Diashows für den Fernseher, aber früher, da war es ganz normal, nach einer Reise 1.000 Fotos zu sichten, und das Album anlegen gehörte zum Abschluss der Reise dazu. „Nein wirklich, du hast die Fotos von unserem Korfu-Urlaub 1997 noch!!!“ Pia schnappt sich das Album und blättert versunken darin. „Kannst du dich erinnern, wie wir mit dem Roller an all die schönen Strände gefahren sind und uns dann einen Fisch zum Abendessen geteilt haben?“ „Du hast toll ausgesehen in dem weißen Bikini.“ „Und erst der fesche Surflehrer“, seufzt Pia. Tja, manche Dinge, wie Fotos, die schöne Erinnerungen beinhalten, darf man eben nicht ausmisten. Da sind sich Pia und ich ausnahmsweise einig.