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Make you feel my love

Heiraten ist angesagt. Gerade jetzt im Frühling trauen sich viele Paare.

 Wie halten es Pia Piccini und Bella Blau? 

Pia:

Große Hochzeiten sind etwas Wunderbares. Was gibt es Schöneres für eine Frau als die eigene Hochzeit zu planen? Ich habe mir schon vor dem Heiratsantrag Gedanken darüber gemacht, wie und wo der schönste Tag in meinem Leben über die Bühne gehen soll. Das Abo von „Bridal Guide“ war fix gebucht, und mit meinen Freundinnen gab es kaum ein anderes Thema.„Weißt du schon, in welchem Kleid du heiraten willst?“, so die Freundinnenrunde. „In Weiß natürlich, ich will ein richtiges Prinzessinnenkleid haben.“ „Na geh, das ist doch fad. Ich war unlängst auf einer Hochzeit, die war total abgefahren. Das Motto war ,Galactic Imagination-Land‘, genauer gesagt, war alles erlaubt, was glitzert oder Star-Wars-Feeling verbreitet. Der Bräutigam kam als C-3PO und die Braut im Prinzessin-Leia-Organa-Outfit. Probleme gab’s nur beim Kuss nach der Trauung, als C-3PO das Visier nicht hochbekam. In der Location shakten einige Gary Glitters und in Glitzerfummel gekleidete Damen unter der 70er Jahre Discokugel.“ „Ich weiß nicht, dafür bin ich nicht cool genug, ich mag’s lieber traditionell. Ich war schon bei Pronuptia, Flossmann und Monalisa und hab mich durch Spitze, Satin und Seide probiert“. „Hast du auch daran gedacht, dass es regnen könnte?“ „Klar, den weißen Spitzenschirm hab ich gleich mitbestellt.“ „Und was meint dein Herzallerliebster dazu?“ „Der lässt mich machen, solange ich ihn nicht in einem Stresemann sehen will, ist ihm alles recht.“ „Wie viele Leute werden denn kommen?“ „So an die 200 denke ich, wir wollen alle Freunde dabei haben, und die Verwandtschaft ist ja auch nicht gerade klein“, seufze ich. „Na dann viel Spass bei der Locationsuche.“ „Ich hab schon was im Auge. Ich wollte immer eine Outdoor-Hochzeit. Ein Schloss ist uns aber zu altmodisch, und ihr wisst ja, dass mein Zukünftiger Weinliebhaber ist. So sind wir auf den Hillinger gekommen.“ „Den Promi-Winzer in Jois? Der mit dem coolen Weinkeller am Hügel?“ „Ja, Genau der. Das wird sicher genial, wenn das Wetter mitspielt.“ Bis dahin war jedoch noch viel zu erledigen. Die Einladungskarten mussten entworfen, gedruckt und verteilt werden, der Blumenschmuck ausgesucht, der Aston Martin gebucht, die Zimmer für die Gäste, die im Burgenland bleiben wollen, reserviert werden, die Frisur besprochen und ausprobiert werden, der Fotograf und Videokünstler bestellt und last but not least die Tischordnung festgelegt werden. Nicht einfach, wenn man berücksichtigt, dass Tante Sophie schon ewig nicht mit Onkel Sepp spricht, Cousin Ludwig allergisch auf Cousine Lisa ist und es noch x weitere Gäste gibt, die entweder unbedingt oder eben gar nicht zusammensitzen wollen. Schließlich und endlich war es so weit. Der große Tag war da. Meine beste Freundin fuhr mit mir zum Friseur, eine andere holte mich im Cabrio ab, was der Frisur nicht gerade guttat, die anderen halfen mir beim Einkleiden, wir tranken zur Beruhigung ein paar Gläschen Prosecco und dann fuhr ich mit meinem Vater im Aston Martin Richtung Burgenland. Er hielt meine Hand, als ich ausstieg und all die bekannten Gesichter sah, die auf mich warteten – und ganz vorne, unterm Blumenbogen auf der Wiese, stand er. Er, mit dem ich vorhabe, mein weiteres Leben zu verbringen. Der Tag rauschte wie im Traum an mir vorbei, alles klappte wie am Schnürchen, und als mein Herzallerliebster und ich als Mann und Frau unter dem Funkeln des gigantischen Feuerwerks standen, blieb nur ein Gedanke: So ein Tag, so wunderschön wie heute, der sollte nie zu Ende gehen. 

Bella

lles, nur keine große Hochzeit. Ein Albtraum. Alleine schon die monatelange Planung, ärger als ein Event für einen Großkunden. Zu viele Leute, die mitreden, zu viele Dinge zu bedenken, zu viele unnütze Kosten, einfach zu viel Stress. Monatelang gibt es kein anderes Thema, monatelang dreht sich alles um
Probeessen, Ringe aussuchen und Diskussionen über die Gästeliste. Ich bin überhaupt kein Freund vom Heiraten. Bis dass der Tod uns scheidet, das klingt für mich nicht antörnend. Ich suche keine trügerische Sicherheit bei einem Mann, ich will mein Leben selbst bestimmen. Ich will kein gemeinsames Konto, keinen gemeinsamen Namen. „Das ist ja auch nicht zwingend in der Ehe so“, versuchen meine Freundinnen mich zu überzeugen, dass heiraten doch schön ist. „Es gibt mittlerweile mindestens vier verschiedene Möglichkeiten – jeder behält seinen Namen, er nimmt deinen, du nimmst seinen, ihr habt
einen Doppelnamen.“ „Damit ich mich entweder nicht angesprochen fühle (wenn mich jemand plötzlich mit einem anderen Namen anspricht) und mein Name nicht mehr auf die Unterschriftzeile passt (weil er durch den Doppelnamen so lange geworden ist). Nein, das ist nichts für mich, wenn, dann behält jeder seinen Namen, schließlich tragen wir den schon lange genug. „Wir haben auch nach wie vor getrennte Konten, du musst das ja nicht ändern wenn du verheiratet bist“, versucht mich eine andere Freundin zu motivieren.  „Ihr seid doch auch schon so lange zusammen, wollt ihr nicht auch rechtliche Schritte setzen, um das zu untermauern? Ihr bekommt die Pension des anderen nicht, wäre doch schade drum.“ Wenn ich das schon höre, Pension, wer weiß, ob es die dann noch gibt. Da fühle ich mich ja gleich doppelt so alt, wenn mich jemand fragt, wie lange ich denn noch bis zur „Pense“ habe. Das ist doch kein Grund zum Heiraten. Ich kenne Paare, da will einer gerne und der andere gar nicht. Das ist bitter. Aber bei uns ist zum Glück alles klar: Wir sind beide nicht die Hochzeitsafficionados. Statistisch gesehen werden um die 41 Prozent aller in Österreich geschlossenen Ehen geschieden, das könnte man auch als vorprogrammiertes Leiden sehen. So schlimm sehen wir das zwar nicht, es gibt aber zu denken. 
Einer unserer Freunde ist der Meinung, dass die Hochzeit die Liebe ruiniert, weil man sich dann des anderen zu sicher ist, ein anderer will nicht die ganze Familie des anderen mitheiraten, und wieder ein anderer ist ohnehin notorischer Junggeselle. Das trifft jedoch auf viele Paare, die wir kennen und die langjährig mit ein und demselben Partner ohne Trauschein glücklich zusammenleben, nicht zu. Was vielleicht als alternatives Gegenstatement zu dem konservativen Gesellschaftsentwurf begann, ist mittlerweile in Wirklichkeit nicht viel anders, als wenn man einen Ring am Finger hätte. Man steht genauso zum Partner wie mit Trauschein und ist nicht freier, wenn keine offizielle Bestätigung da ist. Und gesellschaftlich ist es längst normal und akzeptiert. Deshalb sag niemals nie. Vielleicht entschließen wir uns ja doch noch einmal zu heiraten, aber dann gewiss nicht mit dem ganzen Tamtam. An einem Ort, den wir lieben, mit einigen, ganz wenigen, lieben Freunden und einer kleinen Feier. Ein Fest in der Toskana, eine Party im Mamma-Mia-Stil in Griechenland, eine Trauung am Strand unter Palmen, ein Ja unter Weinreben in der Steiermark – alles ist möglich. Kann sein, muss aber nicht sein, denn unsere Liebe braucht keine amtliche Bestätigung.