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Kostümieren ist nicht jedermanns Sache.
Die einen lieben Mottoparties. Die anderen hassen sie.

Von Glenda Gossip und Pia Piccini. 

 

 CONTRA

Ich hasse Mottopartys! Ich leide unter Coulrophobie, was im Klartext bedeutet: Ich habe Angst vor Clowns. Ich hasse das breite, aufgemalte Grinsen und ich hasse die undurchdringliche Maske, die alle Gefühle verbirgt. Ob ein Clown freundlich oder hinterhältig ist, ist hinter der Schminke schwer zu erkennen. Außerdem sind Clowns meist laut und aufdringlich und sie benehmen sich merkwürdig. Ich habe nie verstanden, was an ihnen lustig und für Kinder ansprechend sein sollte.Selbstverständlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich auf einer Kostümparty zum Clown oder zu sonst was zu machen. Auf den Faschingsfeiern meiner Kindheit war meine einzige „Verkleidung“ eine Pistole mit Platzpatronen – um die Clowns zu „erschießen“. Nachdem ich weder in Köln noch in Villach lebe, blieb ich von Faschings-narreteien aller Art weitgehend verschont. Doch dann infiltrierte Halloween Österreich. 

Als ich das erste mal Heidi Klum im Grusel-Outfit, umgeben von schauerlich grinsenden Kürbisköpfen, aus der „Gala“ feixen sah, wusste ich, dass es noch weitaus Schlimmeres gibt als Clowns. Dem neuen Brauch entsprechend wurde auch ich fortan jeden 31. Oktober zu seltsamen Monsterpartys eingeladen, bei denen mir kalter Karfiol mit Ketchup als blutendes Hirn vorgesetzt wurde. Ich drückte mich davor, so gut es ging. Natürlich vermied ich auch alle anderen Mottopartys im Freundeskreis, die unter so seltsamen Themen wie „Oben Hui – unten Pfui“, „Bauer sucht Frau“ oder „Ü30 Häschenmarkt“ standen.Ehrlich gesagt hatte ich auch Angst, ich würde in ähnliche Schwierigkeiten geraten wie Bridget Jones in „Schokolade zum Frühstück“. Die erschien in voller Playboy-Häschen-Montur zur ,,Flittchen & Pfarrer‘‘-Kostümparty. Und war die einzige in Verkleidung – weil ihr niemand gesagt hatte, dass das Kostüm-Motto abgesagt worden war.

Doch gerade, als auch der Letzte im Freundeskreis erkannt hatte, dass man mich zu so was echt nicht einzuladen braucht, starteten die Mottopartys im beruflichen Umfeld. Es begann mit Fêtes Blanches. Immer mehr Firmen luden zu weißen Festen, wie sie Fürst Rainier und Grace Kelly schon vor 30 Jahren gefeiert haben. Mit den kleinen Schönheitsfehlern, dass Wien nicht Monte Carlo ist und der Donaukanal nicht die Côte d’Azur. Außerdem steht weiße Kleidung nur extrem schlanken, braungebrannten Menschen mit dem gewissen Ibiza-, LA-Laissez-faire. Für blasse Schreibtischmäuse mit Hüftgold tut Weiß einfach gar nichts. Eine Zeitschrift lud zur 20er-Jahre-Party mit dem Effekt, dass alle Frauen (und auch ein paar Männer) mit Federboa antanzten und mit fortschreitendem Abend wie gerupfte Hühner aussahen. Für Missinterpretationen sorgte auch das Motto „Rock Chic“ – sollte man im schicken Rock oder als Rock’n’Roll-Röhre kommen? Dabei ist der Ausweg aus all diesen Dilemmas doch bereits 1926 von Coco Chanel erfunden worden. Das „kleine Schwarze“, ein Kleid, das jeder Frau steht und mit dem man immer perfekt angezogen ist. Und den Kostümdiktatoren schmettern Sie am besten ein fröhliches „Sind wir nicht alle ein bisschen Coco?“ entgegen … GG

Pro

Ich liebe Mottopartys! Nichts ist befreiender, als für eine Nacht in eine andere Identität zu schlüpfen. Meine Liebe zum Verkleiden begann schon früh, als ich im Kasten meiner Oma stöberte und ein Kleid nach dem anderen rauszog, nach Mottenkugeln duftend, aber dennoch absolut verlockend zum Anprobieren. Oder eigentlich noch früher, als ich meiner Cousine, die wie alle anderen kleinen Mädchen als rosarote Prinzessin verkleidet war, mit meinem Gestiefelter-Kater-Kostüm die Show stahl, weil man als Katze eben viel besser herumspringen und tanzen kann. Und das lange, bevor Cats ein Musical-Dauerbrenner wurde. Kein Jahr verging, in dem die Kreativität meiner Mutter, einer passionierten Hobbyschneiderin, nicht gefordert wurde. Ich brillierte als Spanierin, Indianerin, Pippi Langstrumpf (kein Problem mit meinen ohnehin roten Haaren) und verlängerte den Fasching gerne mal bis zum Sommer, wo ein Höhepunkt meines Geburtstagsfestes immer die Kostümstafette war. Als Teenager änderte sich die Ausrichtung der Verkleidungen. Witzig war out – sexy wollte ich sein. Und so kams, dass ich mit zwölf als Charlestonlady im Fransenkleid mit Stirnband und Zigarettenspitze und mit 13 als Hafenjenny im knallengen Schlitzrock das Blut meiner pubertierenden Klassenkollegen in Wallung brachte. 

Ich habe wunderbare Erinnerungen an Partys, die unter einem Motto stehen: Anfang zwanzig gabs in unserem Club, dessen Besuch ein Highlight jeder Woche darstellte, ein Kanal- und Unterweltfestl. Wir trafen uns schon am frühen Abend in der WG von Freunden in der Argentinierstraße, bereit, uns in fragwürdige Gestalten zu verwandeln. Solche mit Mäusen im Ohr, schweren Lederjacken und Ketten, oder eben als Gürtelschwalbe wie ich. Eingeschnürt ins erste schwarze Spitzenmieder meiner Mama von Rositta, über der roten Kombinege meiner Oma, dazu zerissene Netzstrümpfe zu Ultraheels – das Outfit war ein Knaller. Wir sahen aus wie Drahdiwaberl auf Tour. Leider nahm der Abend nicht den gewünschten Verlauf. Mein Freund vergnügte sich mit einer anderen, ich verpasste ihm eine Watschn und ein Wäschefetischist stahl das Korsett meiner Mutter, das ich, um besser atmen zu können, doch irgendwann abgelegt hatte. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb gehört dieses Fest zu jenen, die man immer in Erinnerung behält. Unvergesslich war auch die Einladung zu einer Faschingsparty, wo wir uns als Almdudlerpaar verkleideten. Ein bisschen aufgemotzt, mit alter Fliegerhaube und -brille (er) und einem ausgedienten Dirndl meiner Mutter (ich). Die Fotos haben wir heute noch im Handy, und Freunde haben sie heimlich beim Almdudlerpärchen-Wettbewerb eingereicht – Wochen später stand ein Bote mit einer Kiste Almdudler vor der Tür. Wir hatten zwar nicht den ersten Platz belegt, doch ein Sonderpreis für das originellste Kostüm war uns sicher!

Ein weiteres Top-Highlight war die 50er-Party meines Freundes, wo wir auf die Einladung schrieben: Let’s spend the night together, take the long and winding road and dance to the Sarabande till the morning is broken ... Darunter stand klein auch: Motto „The Sixties“. Die meisten folgten dieser Aufforderung, sich ins Flower-Power-Outfit zu schmeißen, nur ein Kollege meines Freundes hatte offensichtlich das Motto übersehen und ich hörte ihn mit seiner Begleitung tuscheln, die haben aber komische Freunde, so komisch angezogen … PP