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Leder – dieser Duft betört die Sinne, zieht uns in seinen Bann. Einfach, natürlich und sinnlich, verführt er neuerdings auch die Damenwelt. In Kombination mit fruchtigen oder floralen Noten sorgt er für Aufsehen und gibt Parfums eine ganz besondere „Will-haben-Note.“

 

Tom Ford, Penhaligon’s, Amouage, Cuir Beluga, Serge Lutens, J. F. Schwarzlose gesehen bei Le Parfum.

Eau Sensuelle / Bottega Veneta: Ein sinnlicher Damenduft mit weißem Pfirsich, Bergamotte, Gardenie und einem sanften Lederakkord. Serge Noire / Serge Lutens: Eine ausgewogene Unisex-Komposition aus Gewürzen, Zistrose, Harzen und Leder. Valentino Donna / Valentino: Femininer Duft mit Rosenessenz, Bergamotte, Iris-Palida und einem Hauch Leder.  L‘Heure Fougueuse / Cartier: Bergamotte, Magnolie und Lavendel verbindet sich mit Eichenmoos, Leder und weißem Moschus. Iris Prima / Penhaligons: Der zarte Damenduft bezaubert mit Iris, Bergamotte, rosa Pfeffer, Ambra, Leder, Vanille und Sandelholz. Day for Night / Prada: Eine faszinierende Komposition aus Ambra und Leder. Santal Royal / Guerlain: Sandelholz – diese besondere Note ist der Mittelpunkt in einem neuen, hölzern-orientalischen Duft, der auf subtilen Kontrasten zwischen den dunklen Noten von Leder und Adlerholz (Oud), und den leuchtenden blumigen Noten von Jasmin und Rose beruht. Dans La Peau / Louis Vuitton: Verbindet Naturleder aus den Louis-Vuitton-Werkstätten mit Akzenten von leicht kandierter Aprikose, Narzissen und Jasmin. Galop d'Hermès / Hermès: Das Leder belebt die Rose, die Rose reißt das Leder mit sich – gemeinsam ergeben sie einen Duft, der rein und sophisticated ist, maskulin und feminin zugleich.

Wir danken der Griessmaier floral Garage für die Zurverfügungstellung der Rosen für unsere Fotostrecke. Infos unter www.blumen-elfe.at

Ombre Leather 16 / Tom Ford: Sinnlicher und raffinierter Duft mit Veilchenblättern, Kardamom, Jasmin Leder und Patchouli. Cuir de Russie / Chanel: Eleganter Damenduft mit der Süße von Orangenblüten und Jasmin, ergänzt von Leder, Ambra, Vanille und Moschus. Noble Leather / YSL: Opulent und betörend mit Leder, Saffran, Trockenfrüchten, Vanille und Patchouli. Simply EDT / Jil Sander: Frischer Duft nach Birne, Veilchen, Rose, Moschus und Leder. Cuir dAnge / Hermès: Das ledrig-pudrige Unisex Parfum ist eine Komposition aus Heliotrop, Hagedorn, Veilchen, Narzisse, Moschus und Leder.  Honour Woman / Amouage: Eine subtile Mischung wo Vetiver, Weihrauch, Ambra, Harze und Leder auf Jasmin, Tuberose, und Gardenie treffen. Cuir Beluga / Guerlain: Öffnet sich mit einem Aldehyde-Mandarine-Akkord und läuft in einer Immortelle-Note aus, um sich dann mit Amber, Heliotrop und Vanille zu vereinen. Leder 6 / J.F. Schwarzlose Berlin: Eine moderne Interpretation des Schwarzlose-Dufts „Spanisch Leder”, mit neuen, orientalischen Noten wie Safran, Vanille und Weihrauch.


Denken Sie an eine Bibliothek, die mit in Leder gebundenen Büchern bestückt ist, durch die offenen Fenster strömt eine leichte Sommerbrise, die nach Heu, Erde, Wald und Blumen duftet. An lässig aufs Fensterbrett hingeworfene Handschuhe, die noch den zarten Duft ihrer Trägerin verströmen, an den Geruch der neuen Handtasche, der sich mit ihrem Inhalt vermischt – mit dem Lieblingsparfum, das Sie immer bei sich tragen. Ein sinnlicher Duftmix erfüllt die Umgebung, der in uns ein wohliges, fast schon nostalgisches Gefühl auslöst. Kein Wunder, dass die Duftindustrie darauf reagierte und sich an das Komponieren von neuen Parfums machte, die den charakteristischen, sanften und doch intensiven Geruch von Leder neu interpretieren. Dabei besann sie sich auf die erfolgreiche Historie dieses einzigartigen Duftstoffs.

Die Pioniere

Leder ist eine der ersten in der Parfümerie verwendeten Duftnoten überhaupt gewesen. Der Grund hierfür ist eine alte Tradition der Gantiers Parfumeurs, der Gilde der Pariser Handschuhmacher, die im 16. Jahrhundert Lederhandschuhe für Aristokraten herstellten. Diese luxuriösen Accessoires erfreuten sich hoher Beliebtheit. Doch der Eigengeruch des verwendeten Leders war unangenehm und streng. Um ihn zu überdecken, parfümierten die Handschuhmacher ihre Stücke mit verschiedenen Ölen. Besonders Moschus, Amber und Zibetöl kamen aufgrund ihrer starken Aromen zum Einsatz, aber auch Blumennoten wurden damals bereits verwendet. Das erste Parfum mit Lederduftnoten wurde von George III., König von Irland und England, im Jahr 1781 getragen. Er verlangte einen Duft, der dem seiner Handschuhe gleichkam. Das Parfum des Parfum-Herstellers und ehemaligen Schneiders Creed war bis vor Kurzem noch unter dem Namen „Royal English Leather“ erhältlich und verkörperte den charakteristischen Lederduft, wie wir ihn heute kennen. 

Mit der Zeit entwickelten auch russische und spanische Lederproduzenten eigene Mischungen, mit denen sie ihre Produkte parfümierten. So entstanden auch neue Nuancen in der Parfum-Herstellung. Die Begriffe Russisches und Spanisches Leder etablierten sich als Bezeichnung für Duftnoten. Ersteres besaß ein sehr kräftiges Aroma, das an den Geruch von Militärausrüstung erinnern sollte. Zweiteres wurde durch die Aromen von Blumen, Kräutern und Früchten verfeinert.  

Vor allem in den frühen Zwanziger Jahren war die russische Note bei Frauen sehr beliebt. Sie sollte Macht, Autorität und Erfolg im Zuge der Emanzipation unterstreichen. Was natürlich auch die kreativste Frau ihrer Zeit – Coco Chanel – dazu inspirierte, gemeinsam mit ihrem Chefparfumeur Ernest Beaux „Cuir de Russie“ auf den Markt zu bringen. Der Duft mit der Süße von Orangenblüten und Jasmin, ergänzt von würzig-rauchigen Aromen, war ein voller Erfolg.

Die Entwicklung der Duftnote

Interessant ist, dass kein Lederextrakt verwendet wurde, um den Duft feiner Handschuhe nachzuahmen, die die russischen und spanischen Handschuhmacher herstellten. Das „tierische“ Element im Leder wurde lange Zeit durch die Verwendung von Zibet rekonstruiert. Das Sekret aus der Drüse der Zibetkatze ist ähnlich warm, schwer und lang anhaltend und daher auch ein hervorragendes Fixativ. Heute wird Zibet von synthetisch hergestellten, täuschend ähnlichen Ingredienzen ersetzt, sodass keine Tiere mehr dafür leiden müssen.

Die Duftnote Leder ist also ein Fantasieduft, für den sowohl natürliche Essenzen als auch synthetisch erzeugte Stoffe verwendet werden. Natürliche Duftstoffe sind unter anderem Birke, Wacholder, Zistrose, Styrax, Myrte und Labdanharz. Um einen intensiven und animalischen Duft zu kreieren, verwenden Parfümeure auch im Labor hergestellte Stoffe wie Quinoline, Safraleine, Aldehyde und synthetisierte Wildledernuancen. Bereits eine minimale Dosierung dieser Stoffe reicht, um den edlen Charakter zu erzeugen. Je nachdem, wie intensiv die Lederduftnote sein soll, wird sie durch verschiedene Essenzen ergänzt. Um eine weichere Duftnote zu kreieren, werden beispielsweise das Aroma von Vanille oder blumige Noten hinzugefügt.

Im Hier und Jetzt

Heutzutage sind Lederparfums nur noch sehr schwer in Kategorien einzuordnen. Russisches und Spanisches Leder sind Begriffe aus der Vergangenheit. Verschiedene Marken, vor allem jene, die ihre Wurzeln in der Lederindustrie haben, kreieren Parfums mit Lederduftnoten, die ihre Produkte widerspiegeln, um so die Identität der Marke auch auf die Düfte zu übertragen. So zum Beispiel das Haus Hermès, das gleich zwei Lederdüfte im Programm hat – beide unisex tragbar: Cuir d’Ange, vom langjährigen Hausparfümeur Jean-Claude Ellena geschaffen, und Galop d’Hermès, 2016 von Christine Nagel (siehe Seite 41) komponiert. Ebenfalls im vergangenen Jahr stellte Louis Vuitton seine Les Parfums Louis Vuitton vor. Einer der sieben Düfte der Kollektion – Dans la Peau – verbindet Naturleder aus den Louis-Vuitton-Werkstätten mit Akzenten von leicht kandierter Aprikose, Narzissen und Jasmin. Bottega Veneta gehört ebenfalls zu den Großen der Branche, deren Düfte gekonnt mit dem Lederakkord spielen: Die Damendüfte Bottega Veneta Eau de Parfum, Eau Légère und Eau Sensuelle bedienen sich der warmen Note, die immer wieder in verschiedener Intensität eingesetzt und mit unterschiedlichen Gegenspielern zu spannenden Kompositionen vereint wird. Prada setzt mit Day for Night aus der nur in den Boutiquen erhältlichen Olfactories-Reihe ebenfalls ein Zeichen für den Ledertrend bei Damendüften. Daniela Andrier verbindet gekonnt Amber, Holz- und Ledernoten zu einem warmen, sinnlichen, süchtig machenden Duft.  

Was all diesen Düften gemeinsam ist? Die Ledernote ist immer subtil zu erkennen, drängt sich nicht in den Vordergrund, ist nicht laut, sondern Basis für Kompositionen, die Frauen wie Männer gleichermaßen lieben.