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Flakondesigner verstehen sich als Übersetzer von Träumen. Bei der Gestaltung des Flakons geht es darum, eine Symbiose von Duft und Design zu schaffen. So entstehen wahre Meisterwerke der Glaskunst, deren Verschlüsse oft kleine Juwelen sind.

Fotos, Text & Produktion: Doris Springenfels

 

Parfums sind seit Jahrtausenden in Gebrauch, ebenso wie die speziell für sie gefertigten Behälter. Dekorative Flakons sind jedoch ein Trend, der sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts durchgesetzt hat. Davor wurden selbst die teuersten Duftwässer in schlichten braunen Arzneiflaschen gehandelt. Einzig das Etikett verriet den kostbaren Inhalt. Erst zu Hause gossen die vornehmen Damen und Herren ihre exquisiten Essenzen in eigene Schmuckkaraffen. Selbige waren zumeist wertvolle Einzelstücke, die heute noch als beliebte Sammelobjekte gelten. Erst der Schmuckdesigner René Lalique (1860–1945) machte die heute üblichen Parfumflakons gesellschaftsfähig. In einer Zeit, in der immer mehr Couture-Häuser wie etwa Chanel, Lanvin, Ricci oder
Schiaparelli dazu übergingen, eigene Parfumkreationen auf den Markt zu bringen, entwickelte der Franzose ein Verfahren, künstlerisch hochwertige Glasobjekte in großer Zahl kostengünstig herzustellen. 1907 entwarf Lalique den Flakon für „La Rose Jacqueminot“ – den legendären Duft, mit dem François Côty seine Karriere als Duftproduzent begann. Laliques poetischer Einfallsreichtum bescherte den Pariser Parfumeuren jahrzehntelange Erfolge – seine Spezialität waren verschnörkelte, stark mit Blüten, Farnen oder gar griechischen Jungfrauen verzierte und mit Schliffstöpseln und Voluten gekrönte Glasflaschen, die zum wesentlichen Imageträger der Düfte in ihrem Inneren mutierten. 

Glas hat sich als idealer Transporter für Duftwässer erwiesen. Normalerweise geht es bei der Gestaltung des Fläschchens darum, visuell mit dem Duft zu harmonieren. Manchmal bezieht sich der Entwurf aber auch auf den Namen. Die Bandbreite reicht von verspielten bis hin zu klaren, puristischen Kreationen, je nach Aufgabenstellung des Dufthauses. Nicht zu vergessen, dass Design nur eine Seite der Vorgabe ist, ein Flakon soll auch gut in der Hand liegen, leicht zu bedienen sein, gut schließen und über sicheren Stand verfügen. Darüber hinaus muss er zu einem vertretbaren Preis maschinell herstellbar sein. Der Flakondesigner muss nicht nur ein visionärer Künstler, sondern auch ein gewiefter Techniker sein. Viele Flakons sind so schön und edel, dass man sie am liebsten für immer aufbewahren möchte, doch wer hat schon so viel Platz? Dann ist der Glascontainer der Ort, wo auch die schönsten leeren Flakons entsorgt werden sollten, wenn sie durch neue, mit edlen Essenzen gefüllte, ersetzt werden. 

Entwicklung und Strategie 

 

Die Entwicklung eines Duftflakons dauert rund ein halbes Jahr, die Kosten liegen oft im sechsstelligen Bereich. Gespart werden darf dabei nicht, denn an der Magie des Parfums hat der Behälter einen großen Anteil. Es ist nicht die Nase allein, die darüber entscheidet, ob uns ein Duft gefällt oder nicht. Wie sehr dabei das
Äußere unsere Wahrnehmung eines Duftes beeinflusst, zeigen Tests, in denen der gleiche Duft in drei sehr unterschiedlichen
Flakons dargeboten wurde und keine der Testpersonen merkte, dass es sich dabei um den gleichen Duft handelte. Der Grund liegt auf der Hand: Wer zur Parfumflasche greift, macht das mit einer ganz speziellen Erwartung. Schließlich ist die Form, die den Duft umhüllt, Signal für das, was sie umschließt. 

 

Die prägenden Elemente der Parfumkunst

 

Abgesehen vom Flakon spielen auch Etikett, Verpackung und nicht zuletzt der Name ein große Rolle, wenn es darum geht, für einen Duft die optimale Plattform zu bieten. Für den perfekten künstlerischen Effekt ergänzen diese Elemente einander. 

Das Etikett bedeckte urprünglich fast die ganze Flasche und enthielt zahlreiche Informationen über die jeweilige Parfumfirma. Erst Lalique ließ das, was man mit einem Etikett in Verbindung brachte, in das Design der Flasche selbst einfließen und experimentierte mit Materialien und Gravuren. Heute tragen viele Flakons gar keine Etiketten, ihre Form ist so charakteristisch, dass man sie sofort erkennt, oft ist auch der Schriftzug eingegossen oder auf Metallplaketten geprägt. 

Die Schachtel ist das erste, was man sieht, wenn man in die Parfumerie geht. Dementsprechend ist ihre Bedeutung nicht zu unterschätzen. Auf ihr kann sich der Künstler austoben, denn sie bietet ihm ausreichend Fläche, die Augen auf das Produkt zu lenken.

Das am wenigsten konventionelle Element ist der Name, den ein Parfum trägt. Er stellt einen essentiellen Bestandteil zur Schaffung einer einzigartigen Identität dar. Ganze Marketingteams sind mit der Namensfindung betraut, er muss nicht nur die Seele des Duftes in Worte kleiden, er sollte auch allgemein gut aussprechbar, positiv belegt und leicht zu merken sein. Zudem muss er international registriert und urheberrechtlich geschützt werden, damit nicht irgendwann zwei Düfte den gleichen Namen tragen.

Auf das Zusammenspiel kommt es an

 

Während uns die Charakterisierung eines Duftes manchmal nicht leicht fällt und es dabei auch große individuelle Unterschiede in der Wahrnehmung gibt, kann man Flakons und ihr Packaging mühelos und innerhalb eines bestimmten Kulturkreises auch allgemein gültig, als verspielt, streng, klassisch, romantisch, futuris-tisch, konventionell oder originell einstufen. So schafft man eine Verbindung zwischen dem Produkt, seiner Aussage und denjenigen, die diesen Duft tragen. Denn auch wenn Düfte für sich sprechen und primär unser limbisches System betören, ist ihre visuelle Umsetzung entscheidend für ihren Erfolg und ihre Langlebigkeit am Markt. Erst wenn alle prägenden Elemente eine perfekte Symbiose bilden, ist die Werbewirksamkeit gegeben, die oft noch durch bekannte Gesichter aus Film und Sport verstärkt wird. Damit wird der Flakon zur Brücke zwischen dem Duft selbst und den Verheißungen und Träumen, die er verkörpert oder erfüllen soll.

 

DÜFTE:

Bild 1, linke Seite: 

Alien Flora Futura / Mugler: Eine Liaison zwischen der Ur-Zitrone und einer seltenen Blume, die nur für eine Nacht blüht.
Candy Sugar Pop / Prada: Überraschender Duft aus Zitrusnoten, Bergamotte, Apfel, Pfirsich und Vanille. Mon Paris Couture / YSL: Das Aufeinandertreffen von Rose und Grapefruit ergibt einen herrlich prickelnden, süchtig machenden Duft. Daisy Twinkle Eau So Fresh / Marc Jacobs: Frische Komposition aus Himbeere, Veilchen und Wildrosenblättern. La Vie Est Belle l’Èclat / LancÔme: Absolus aus der Orangenblüte und Sambac Jasmin, unterlegt mit Neroli und Rosenessenzen. Daisy Dream Twinkle / Marc Jacobs: Zweite Variante der neuen Twinkle-Linie. Schwarzkirsche und weiße Blüten erwecken Frühlingsgefühle. 

Bild 1, rechte Seite: 

L’Eau Rosée / Miu Miu: Jugendliche Frische in weichem Blumenaroma aus Maiglöckchen, Cassis-Knospen und einer Moschusnote. Daisy Twinkle / Marc Jacobs: Das erste „Zwinkern” vermittelt ein Gefühl von Sommer und Sonne mit Noten von Beeren, Veilchen und weißen Hölzern. Dolce Garden / D & G: Entführt in die Gärten Siziliens mit dem Duft von Frangipani, Mandarine, Neroli, Kokos und Mandelmilch. For Her EDP / narciso rodriguez: Sonderedition zum zehnten Geburtstag des beliebten Originalduftes. Sorbetto Rosso / Escada: Komposition aus Wassermelone und erfrischendem Meersalz – ein Sommer in Italien.  La Femme l’Eau / Prada: Orientalisch-blumiger Duft nach Mandarin-Orange, Frangipani, Tuberose, Ylang-Ylang und Holzakkorden. Cheap & Chic So Real / Moschino: Moderne, innovative Duftkreation rund um Bitterorange, Mandarine, Jasmin, Magnolie mit holzigen Noten.  

Bild 2, linke Seite: 

Twilly / Hermés: Jugendlich frecher Duft aus Ingwer, Tuberose und Sandelholz. Gabrielle / Chanel: Betörende Komposition aus Ylang-Ylang, Jasmin und Orangenblüten. Die Tiefe geben Sandelholz und weißer Moschus. L’Eau d‘Issey Pure Nectar de Parfum / Issey Miyake: Der dritte Duft aus der Pure-Familie kombiniert opulente Rose mit weichem Sandelholz, Ambra und Cashmeran.  Acqua Allegoria Passiflora / Guerlain: Hier steht die Passionsfrucht im Vordergrund, unterstützt von Orangenblüte, Bergamotte und Ylang-Ylang. Eau de Parfum Nude / AlaÏa Paris: Unverhüllte Weiblichkeit, eingefangen in einem sinnlichen Wildlederduft mit holzigen Akkorden und Orangenblüten. Scandal /Jean Paul Gaultier: Erotische Duftkomposition aus Gardenie und Blutorange, ergänzt mit Honig und Patschuli.  

Bild 2, rechte Seite:

Coco Mademoiselle Eau de Parfum Intense / Chanel: Ein betörender Duft, der zwischen der Frische von Zitrusschalen
und dem Odeur von Kaminholz hin und her pendelt. Für rebellische Charaktere mit Sinn für Eleganz. Mon Guerlain EdP florale / Guerlain: Frischer Duft nach Lavendel und Vanille, betont durch eine Überdosis Jasmin. Olympea Aqua / Paco Rabanne: Eine spielerisch leichte Variante des Signaturduftes mit Zitrusblüten, Vanille und Kaschmirholz. Blossom /Jimmy Choo: Frisch-fruchtiger Duft nach Zitronen, roten Beeren und einem Hauch von Rose. Nomade / Chloé: Ein floraler Chypre-Duft nach Eichenmoos, süßer Mirabelle und Freesie. Ma Vie l’Eau / Hugo Boss:  Leichtere Sommervariante des eleganten Originalduftes rund um die Kaktusblüte. Lady Million lucky / Paco Rabanne: Diese Lady duftet nach Himbeere, Rose und frischen Chypre-Noten. 

Bild 3:

Florence / Roberto Cavalli: Hommage an die Stadt der Blumen mit Grapefruitblättern, Orangenblüten und einem luxuriösen Moschusakkord. Poison Unexpected Girl / Dior: Eine kraftvolle Mischung aus Ingwer, Rose und Tonkabohne, unterlegt mit leichten Vanille- und Moschusnoten. Splendida Magnolia Sensuel / Bvlgari: Neue Komposition aus der Splendida-Kollektion mit dem einzigartigen Duft der Magnolie. Guilty Absolute / Gucci: Das Original aus Brombeere, Rose und Goldholz, vermischt mit Goldmelisse, Patschuli und Ambra. Hippie-Chic / La Petite Robe Noir Guerlain: Ein Parfum légère, inspiriert vom Original, noch blumiger durch Rosenwasser. Sleek Suede / Precious Gold / YSL: Aus der Collection Orientale in elegantem Flakon. Black Opium New Glowing / YSL: Kultduft, jetzt mit prickelndem Glow. Sunrise / Lancaster: Sonnige Komposition aus Zitrusnoten, Frangipani, Ylang-Ylang und Jasmin. Sì Passione / Giorgio Armani: Schwarze Johannisbeere bildet mit Rose und Bergamotte eine wunderschöne Duftkomposition.  

Bild 4, linke Seite:

Polo Ultrablue / Ralph Lauren: Frischer, lang anhaltender Duft mit zitrischen Noten, Salbei, Wacholder und einem salzigen Mineralakkord. Sauvage / Dior: Rau und elegant zugleich ist diese Komposition aus frischer Bergamotte und der holzigen Note der Papua-Vanille.  CK One Summer / Calvin Klein: Sommerlicher Duft, riecht nach Limette und Gurke, Pfeffer, Safran und Moschus. Man In Black / Bulgari: Orientalisch-blumiger Duft mit Rum- und Gewürzakkorden, Iris, Leder und Tonkabohne. Acqua di GiÒ Absolu / Giorgio Armani: Wasser und Holz treffen aufeinander, maritime Noten und Patschuli für maskuline Sinnlichkeit. Concrete / Comme de GarÇons: Lang anhaltender Unisex-Duft nach üppigem Sandelholz und künstlichen Rosenessenzen. 

Bild 4, rechte Seite: 

Luna Rossa Black / Prada: Charmant und maskulin ist das erste Eau de Parfum aus der Luna-Rossa-Linie, mit Noten von Amber, Bergamotte, Patschuli und Kumarin. Bleu de Chanel / Chanel: Zeitloser, kraftvoller Duft, der die Frische von Zitrusfrüchten mit Noten von Zedern- und Sandelholz verbindet. Bleu Noir EdP / Narciso Rodriguez: Die perfekte Ergänzung zum Eau de Toilette. Strahlt geheimnisvolle Sinnlichkeit aus. invictus Aqua / Paco Rabanne: Mehr Frische und Power als das Original durch maritimen Akkord, Grapefruit und Veilchenblatt. One Million Lucky / Paco Rabanne: Honig und Cashmeran sind die Hauptakteure in dieser Neuinterpretation des Originals. L’Homme l’Eau / Prada: Eleganter Duft mit einem Hauch von Iris, verstärkt durch roten Ingwer und Neroli.