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Düfte sind Doping für die Sinne. Irdische Aromen, die himmlische Gefühle erwecken. Parfums können Stimmungshochs und Glücksgefühle auslösen, das steht wissenschaftlich fest. Bestimmte Duftstoffe erotisieren und betören, es müssen nur die richtigen sein. Wir präsentieren Ihnen Düfte, die Sinnlichkeitspotenzial haben.

Fotos, Text & Produktion: Doris Springenfels

Linke Bildseite:

L’ABSOLU EDP – BOTTEGA VENETA: Konzentriert sich auf den ikonischen Chypre-Charakter des Originalduftes.

PURE XS EDP– PACO RABANNE: Ein Duft ohne Hemmungen, Exzess in seinem reinsten Zustand. Ylang-Ylang trifft auf eine Popcorn-Explosion.

BLACK OPIUM NUIT BLANCHE – YSL: Elektrisierendes Dufterlebnis: Reisdampf prallt auf Bourbonpfeffer. Im Herzen betören Orangenblüten-Absolu und Pfingstrose. Kaffee, Vanille und Sandelholz bilden die Basis.

SCANDAL BY NIGHT – JP GAULTIER: Berauschende Kreation, die Honig mit Tuberose verbindet und in Sandelholz und Tonkabohne bettet. Mit Suchtfaktor!

GOLDEA THE ROMAN NIGHT EDP – BULGARI: Verführerischer Duft mit Beeren und Pfingstrose in der Kopfnote, im Herzen Jasmin und Tuberose.

SANTAL DE KANDY – BOUCHERON: Ein Duft mit der vibrierenden Kraft der Gewürze. Schwarzer Pfeffer und Kardamom, begleitet von Bergamotte, Veilchen, Jasmin und Styrax-Balsamharz.

Rechte Bildseite: 

FLEUR DE MURIER EDP – KARL LAGERFELD: Spritzig-grüner Duft nach Himbeerblättern und Johannisbeeren mit holzig-warmer Basis.

SHALIMAR SOUFFLE DE LUMIÈRE EDP – GUERLAIN: Eine strahlende Schöpfung als Ode an das Licht von Thierry Wasser.

DECADENCE EDT – MARC JACOBS: Ausdrucksstarker Duft mit Nashibirne, schwarzer Johannisbeere und Efeu in der Kopfnote im Flakon-Täschchen.

UDAIPUR EDP – ETRO: Benannt nach der „weißen Stadt“. Eine Duftreise durch Indien, in Palastgärten, zu Gewürzmärkten und zu den Geschichten aus „1001 Nacht“.

LA NUIT TRÉSOR L’EAU DE TOILETTE – LANCÔME: Fruchtig-florientaler Moschusduft mit Damaszener Rose im Herzen.

ÔUD AMBROISIE BOUGIE CANDLE – MAISON LANCÔME: Duftkerze aus der Linie der acht Premium-Kompositionen.
Magische Mischung aus Hölzern, Honig-Rosennoten, Oud (Alderholz), Zedernholz und Patchouli.

 

Duft und Sinnlichkeit 

Parfums werden gerne als erotisches Duftabenteuer mit extrem hohem Suchtpotenzial positioniert. Allein schon die Duftbeschreibungen sollen dazu beitragen, dass Frauen wie auch Männer dahinschmelzen: „Die orientalisch-blumige Komposition startet mit einem köstlichen Mix aus Pflaume, Muskatblüte und Damastrose. Aus dem floralen Bouquet der Herznote drängeln sich die verführerischen Düfte der Frangipani-Blüte und der Pfingstrose in den Vordergrund. Der Ausklang präsentiert sich holzig-warm mit den sinnlichen Noten von Vanille und Amber.“ Oder: „Sein dynamischer Herrenduft verströmt bereits im Angeruch mit Zitrusnoten und Basilikum pure Vitalität. Danach entführt er in eine exotische Duftwelt mit rotem Pfeffer, Zimt und Kardamom. Wertvolle Edelhölzer und moschusähnliche Substanzen geben im Fond einen erotischen Touch.“ Wer könnte da schon widerstehen? Unwillkürlich drängen sich Bilder von lasziven Schönheiten wie Eva Mendes, Scarlett Johansson, Mila Kunis und ihren super männlichen Pendants wie Daniel Craig, Christian Bale, Javier Bardem oder Chris Hemsworth. in den Kopf. Das Zusammenspiel von Werbebotschaft, Werbeträger und „Will-auch-haben-Gefühl“ funktioniert bestens. Wir wollen verführt werden – und was wäre besser dazu geeignet als Düfte, deren Aromen zum Träumen anregen?

Blick zurück

Das ist keine Erkenntnis der Neuzeit, nein, orientalische Aromen sind beinahe so alt wie die Menschheit selbst. Schließlich entwickelte sich der Ausdruck Parfum (lateinisch: per = durch, fumum = Rauch) durch das weit verbreitete Ritual, aromatische Harze und Hölzer als Gottesopfer zu verbrennen. Ägyptische Priester sorgten seinerzeit mit duftenden Kugeln für Wohlgeruch in den Tempeln diverser Gottheiten, und bei bedeutenden Staatsanlässen griff sogar der König selbst zu Räucherpfanne und Schnabelvase, die parfümiertes Öl enthielten. In der Sonnenstadt Heliopolis wurde dem Himmelskörper zu Ehren gleich dreimal täglich mit Räucherwerk gezündelt: Harz röstete bei Sonnenaufgang, Myrrhe zu Mittag und eine aus 16 Ingredienzen bestehende Spezialmischung zum Abendrot. Einige der Duftöle am Nil enthielten Oregano, Bittermandel oder in Ägypten heimische Duftpflanzen – die meisten Wirkstoffe kamen jedoch aus Arabien und wurden in prächtigen Gefäßen aus Alabaster, Glas oder Onyx aufbewahrt. Noch lange vor Mohammed galt Musa, eine bedeutende Stadt im heutigen Saudi-Arabien, als größter Umschlagplatz für Olibanum (eine Art Weihrauch), Myrrhe und andere aromatische Gummiharze. Olfaktorisch hatte der Vordere Orient lange Zeit die Nase vorne – was Touristen übrigens noch heute riechen können: In den Mörtel vieler Moscheen und Paläste wurde früher derart viel Moschus gemischt, dass man ihn nach wie vor bei hohem Sonnenstand erschnüffeln kann. Wie irdische Duftstoffe zu himmlischer Lust führen können, darauf setzte auch schon Ägyptens wohl berühmteste Königin: Cleopatra. Sie verführte ihren Lover Marc Anton auf einem Bett aus Rosen.

Klassische Aphrodisiaka 

Sogar die Bibel enthält zahlreiche Rezepturen für Nasenschmeichler: Im Hohelied Salomons beschreibt jeder zweite Vers Rauchsäulen aus Myrrhe und Weihrauch, betörende Balsamdüfte und feine Essenzen aus diversen Lustgärten. In Indien weckten Frauen in ihren Liebhabern brennendes Begehren, indem sie ihre Brüste mit Sandelholz parfümierten. Interpretiert man die Fresken aus der Gupta-Periode (ca. 300 n. Chr.), so durften auf die Haut der Schönen ohnehin nur Schmuck, Kosmetika und Parfum. Abseits von erotisierenden Zeremonien wurde Sandelholz in Indien auch bevorzugt für Bauten verwendet – es roch nicht nur gut, sondern trotzte vor allem den gefräßigen Termiten. Im Mittelalter erfreuten sich intensive Noten wie Amber und Moschus großer Beliebtheit unter den damaligen Reinlichkeitsmuffeln. Es galt als vornehm, die regelmäßige Körperpflege zu vernachlässigen. Damit man seinen Mitmenschen noch gegenübertreten konnte, ohne ständig die Nase rümpfen zu müssen, übertünchten starke Düfte die unangenehme Ausdünstung. Intensive Potpourris machten nicht nur das soziale Leben erträglich, sie schützten auch vor Krankheiten und Epidemien. Wohlhabende trugen deshalb Ambraäpfel um den Hals, niederes Volk scharte sich in den Kirchen, wo mit Weihrauch großzügig umgegangen wurde. Eine nette Duftanekdote berichtet von Königin Elisabeth von Ungarn, die 1370 von einem Einsiedler ein Rezept für „Ungarisches Wasser“ erhalten haben soll. Diese mit Alkohol angereicherte Duftessenz aus Rosen und Rosmarin soll der damals 75-Jährigen eine späte Liebschaft mit dem König von Polen eingebracht haben.

Erotik im Flakon

Das 20. Jahrhundert war wohl jenes, in dem Düfte den radikalsten Umbruch erlebten. Weg vom Luxusgut hin zur Massenware. Gerade deshalb wurden jene Düfte, die aus der olfaktorischen Uniformität herausstachen, zu Klassikern. Wie etwa Shalimar von Guerlain, einer der absoluten Top-Orientalen. Ein Duft der Superlative: 1925 von Jacques Guerlain kreiert, gilt der Duft nicht nur als Urahn der orientalischen Parfums der Neuzeit, sondern gehört auch zu den ältesten noch erhältlichen Klassikern. Seine Geschichte ist oft erzählt, aber dennoch immer wieder berührend: Als Zeichen seiner Liebe ließ der indische Mogul Shah Jahan seiner Lieblingsfrau Mumtaz Mahal im 16. Jahrhundert im heutigen Lahore die „Shalimar Gärten“ anlegen, die zum UNESCOWeltkulturerbe gehören und als herausragende Beispiele für die Gartenkunst im indischen Mogulreich gelten. Dieser Garten und mehr noch das Liebespaar selbst inspirierten Guerlain zu einer Komposition, die im Wesentlichen mit einem frischen Hesperidenakkord aus Bergamotte und Zitrone startet, der zügig in das Zentrum des Duftes führt: zarte Blüten, Jasmin und Mairose, die eingehüllt sind in einen opulent pudrigen Akkord aus Iris, Tonkabohne und Vanille. Dazu Opoponax, ein Harz mit dezentem gummiartigem Unterton, der den pudrigen Noten allzu viel Süße nimmt. Für den größten Skandal sorgte Opium: Mitte der siebziger Jahre stellte sich ein damals junger, aufstrebender Modeschöpfer der schwierigen Aufgabe, einen Duft zu kreieren, der mit dem berühmen Shalimar wetteifern konnte. Seine Leidenschaft für den Orient und das orientalische Frauenbild der romantischen Epoche inspirierte Yves Saint-Laurent zu Opium. Er wollte einen orientalischen Duft schaffen, der mit sämtlichen Tabus brechen und neue Maßstäbe setzen sollte. Unter Parfumeuren gilt Opium als Meisterwerk, denn dieser orientalische Duft vereint auf unvergleichlich harmonische Weise drei Komponenten in sich: Es ist ein würzig-florales Bouquet mit einer spezifisch frischen Kopfnote und einer extrem sinnlichen, warmen Basis. Der Kritik, die sich auf den Namen des Bestsellers bezog, begegnete Saint-Laurent gelassen. War es doch seine erklärte Absicht, „einen Duft, der süchtig macht“ und die Sinne verklärt, zu schaffen.

Light-Versionen versus Oud

Seit den 70ern ist viel Zeit vergangen. Orientalische, also sinnliche, verführerische Düfte gehören nach wie vor zu den Favoriten. Allerdings hellten die großen Nasen der bekannten Parfumhäuser in den vergangenen Jahren ihre aus „schweren“ Noten wie Patchouli, Sandelholz oder Moschus bestehenden Kompositionen mit blumigen Düften auf, um sie leichter zugänglich zu machen. Auch einige der absoluten Klassiker wurden einer Neuformulierung unterzogen, so gehören z. B. Shalimar Souffle de Lumière oder Black Opium zu den neuen „Orientalen“, die uns begeistern. Etabliert hat sich seit einiger Zeit eine außergewöhnliches IT-Ingredienz und versetzt viele in entzücktes, unerwartetes Erstaunen: Oud. Geheimnisvoll, unbekannt, ungewöhnlich, unglaublich kostbar, unglaublich facettenreich. Ein olfaktorischer Duftstoff voller mystischer
Geschichten: Oud. Häuser wie Killian, Lancôme, Montale oder Micallef arbeiten mit dieser Essenz. Aber was genau ist eigentlich „Oud“? Oud stammt vom arabischen Begriff el-Oud, was so viel heißt wie Ast oder Zweig des Aquilaria-Baums (auch Agarholz, meist Adlerholz genannt). Dieser produziert, um sich vor Schimmel zu schützen, ein hocharomatisches Harz. Und dieses Harz hat eine unglaublich komplexe Duftaura – warm und holzig einerseits, dann wieder mit einer stark animalischen Anmutung. Das intensive, ebenso besänftigende wie provokante Aroma des Oud wird im Nahen Osten seit mehr als 2.000 Jahren für Parfums eingesetzt. Anfangs wurde es vor allem als Räuchermittel verwendet, das zum Himmel emporstieg, um Menschen und Götter miteinander zu verbinden. Später entwickelte es sich zum Basis-Bestandteil kostbarster arabischer Duftkreationen. Sein wohliges Aroma wurde oft mit weiteren wertvollen Ingredienzen versetzt, daher findet man auch Jasmin-Oud, Leder-Oud und viele andere Variationen; die kostbarsten Oud-Hölzer lassen sich heute nur mit Gold und Juwelen aufwiegen. Interessantes Detail am Rande: Oud übertrifft in sehr gut fermentierter Qualität leicht den Preis von Gold. Das aus dem Harz gewonnene und in der Parfumproduktion eingesetzte Öl übersteigt diesen Preis noch bei Weitem und gilt mit 1,5 Millionen Euro pro Kilogramm als das teuerste ätherische Öl der Welt. Kein Wunder, dass auch die Flakons solchen Kapazunder-Düften in nichts nachstehen dürfen.

Flüssige Gefühle

Seine besondere Note, sein gewisses Etwas und seine Persönlichkeit erhält ein Duft einerseits durch seine primäre Eigenschaft (also seinen Duftcharakter) und andererseits durch seine Originalität, sprich, sein individuelles Merkmal. Jenes, das spezielle Gefühle beim Träger und dessen Umgebung auslöst. Besonders bei orientalischen Düften kommt das zum Tragen. Rosen oder Lotus für die Libido? Gardenien für Kontaktfreude, Narzissen für die gute Stimmung oder gar Ylang-Ylang, um die Sinnlichkeit zu fördern? Bestimmte Duftstoffe erotisieren und betören eben, es müssen nur die richtigen sein. Essenzen wie Ambra, Moschus, Muskatnuss, Myrrhe, Patchouli, Schwarzer Pfeffer, Sandelholz, Vanille, Weihrauch oder Zimt und Zibet geben einem Duft seine Prägung, die wiederum seinen Charakter bestimmt. Und dieser kann verführerisch animalisch, würzig exotisch, warm holzig, sanft pudrig oder erotisch moschusartig sein. Ein Parfumeur muss über ein sehr gutes Gespür und eine noch viel bessere Nase verfügen, um einen Duft, der begeistert, zu schaffen, denn pur gerochen werden viele dieser Duftstoffe nicht gerade als angenehm empfunden. Es bedarf einer guten Portion an Vorstellungskraft, um Düfte zu schaffen, die uns wie eine Prinzessin aus Tausendundeiner Nacht duften lassen. Und ein gutes Marketing-
und PR-Konzept. So verspricht die Kampagne für einen der neueren orientalischen Bestseller: „Damit die Frauen zu ihrer angeborenen Gabe der Verführung zurückfinden und um die Verführerin in jeder einzelnen von ihnen zu wecken, ist dieser Duft geschaffen worden. Der intensive Zauber einer reinen und blumigen Verführung. Eine Verführung für die Frauen, die die Gabe der Verführung in sich tragen.“ Na dann, auf in die nächste Parfumerie. Der Herzallerliebste wird sich freuen! 

WANTED BY NIGHT EDT – AZZARO: Verführung in drei Akkorden: holzig durch Weiße Zeder und Zimt, vibrierend durch Kümmel und Rote Zeder, beruhigend durch Tabak und Zypresse.

TERRE D’HERMÈS EAU INTENSE VÉTIVER EDP – HERMÈS: Komposition rund um das tief in der Erde verwurzelte Vétiver.

BOIS DE YUZU EDT – KARL LAGERFELD: Dieser Unisex-Duft bezaubert mit fruchtig-frischen Noten von Yuzu und Birne, Pfirsichblüte und Jasmintee.

L’HOMME INTENSE – PRADA: Als männliche Spiegelung des Damenduftes, charakterisiert durch Tonkabohne, Sandelholz und Patchouli.

Y EDP – YSL: Intensiver Duft mit Bergamotte-, Zitronen- und Ingweröl. Im Herzen Wacholderbeere, Muskatellersalbei und Lavendelöl.

BLEU DE CHANEL PARFUM – CHANEL: Als Hommage an die Freiheit präsentiert sich dieser aromatisch-holzige Duft in einem Flakon von tiefem, geheimnisvollem Blau.

L’HOMME IDÉAL L’INTENSE EDP – GUERLAIN: Ein holzig-orientalischer Cocktail aus feurigem Chili, Tonkabohne und rauchigen Noten im facettierten, schwarz lackierten Flakon.